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Kurze Geschichte der Gebietsreform

Am 1.8.1972 wurde aus den Landkreisen Obertaunus und Usingen der Hochtaunuskreis gebildet. Der neue Kreis hatte zunächst "Taunuskreis" heißen sollen, was aber dann fallengelassen wurde, um Verwechslungsmöglichkeiten mit dem benachbarten Main-Taunus-Kreis auszuschließen. Vorausgegangen war die Zusammenlegung von Gemeinden, mit dem Ziel, eine Vereinfachung der Verwaltung herbeizuführen. Infolgedessen wurde die Zahl von 61 Gemeinden in den Kreisen Obertaunus und Usingen im neu gebildeten Hochtaunuskreis auf 13 - Städte und Großgemeinden - reduziert.

Kreisstadt des Hochtaunuskreises wurde Bad Homburg, das diese Funktion schon im Obertaunuskreis inne gehabt hatte. Der erste Landrat des Hochtaunuskreises wurde der vormalige Landrat des Kreises Obertaunus, Werner Herr. Der alten Kreisstadt Usingen blieben noch einige Ämter erhalten, so das Katasteramt, das Gesundheitsamt und die Zulassungsstelle. Die Bevölkerungszahl verdoppelte sich durch die Eingliederung von sechs ehemals selbständigen Gemeinden auf etwa 10.000 Einwohner.

Bad Homburg, das schon 1901 Kirdorf und 1937 Gonzenheim eingemeindet hatte, erweiterte sich 1972 um drei weitere Gemeinden: Dornholzhausen, Ober-Eschbach und Ober-Erlenbach. Während Dornholzhausen als ländgräfliche Gründung immer starke Bindungen nach Bad Homburg gehabt hatte, hatten Ober-Eschbach und Ober-Erlenbach zuletzt dem Kreis Friedberg angehört. Mit diesen Stadtteilen überschritt Bad Homburg die Einwohnerzahl von 50.000, so dass ihm 1979 ein mit weiteren Aufgaben und der Wiedereinführung des Titels "Oberbürgermeister" verbundener Sonderstatus übertragen wurde.

Bereits 1971 hatte sich die "Gemeindegruppe Friedrichsdorf " formiert, die sich schließlich nach der einzigen ihr zugehörigen Stadt "Friedrichsdorf" nannte. Die Fusion, im Mai 1971 vollzogen, war zu verstehen als Reaktion auf den Vorschlag, die zugehörigen Gemeinden der Stadt Bad Homburg zuzuordnen. Mit den beiden Landgemeinden Köppern und Seulberg hatte Friedrichsdorf seit seiner Gründung als Hugenottenkolonie im Jahr 1687 nachbarliche Beziehungen unter einem Landesherrn gemeinsam. Burgholzhausen dagegen hatte eine herrschaftsgeschichtlich bewegte Vergangenheit hinter sich und gehörte vor 1972 zum Großherzogtum Hessen bzw. zur Kreisstadt Friedberg.

Die südlichen Taunusrandstädte Oberursel, Kronberg, Königstein und sogar Steinbach gingen als eigenständige Stadtgebilde aus der Gebietsreform hervor.

Mit Oberursel fusionierten vier Gemeinden: Bommersheim, Oberstedten, Stierstadt und Weißkirchen. Die Eingliederungsverträge wurden im Dezember 1971 unterzeichnet. Bommersheim, Oberursel, Weißkirchen und Steinbach traten Gemarkungsteile an Frankfurt ab. Die vormals zum Obertaunuskreis gehörige Gemeinde Kalbach wurde ein Stadtteil von Frankfurt.

In die Stadt Königstein wurden am 1.4. bzw. 1.8.1972 die Gemeinden Falkenstein, Mammolshain und Schneidhain eingegliedert.

Nur zwei Gemeinden, Oberhöchstadt und Schönberg, entschlossen sich zur Fusion mit Kronberg, die am 1.4.1972 vollzogen wurde.

Das vor 1972 zum Landkreis Offenbach gehörende Steinbach wurde dem Hochtaunuskreis zugeschlagen. Im gleichen Jahr erhielt die selbständige Großgemeinde mit 9.000 Einwohnern die Stadtrechte. Steinbach blieb die einzige Kommune im Hochtaunuskreis, der sich keine weiteren Gemeinden anschlossen.

Der Main-Taunus-Kreis trat 1972 die Orte Glashütten, Oberems und Schloßborn sowie Ober- und Niederreifenberg an den Hochtaunuskreis ab. Dagegen wurden aus dem ehemaligen Landkreis Usingen die vier Gemeinden Niederems, Wüstems, Reichenbach und Steinfischbach ausgegliedert und dem Rheingau-Taunus-Kreis zugeordnet.

Glashütten, Oberems und Schloßborn bilden seit 1972 die Großgemeinde Glashütten.

Zur Großgemeinde Schmitten mit der namengebende Kerngemeinde gehören außer Ober- und Niederreifenberg die Hochtaunusorte Arnoldshain, Brombach, Dorfweil, Hunoldstal (früher Hundstall), Seelenberg und Treisberg.

Anspach, Hausen-Arnsbach, Rod am Berg und Westerfeld tragen seit 1972 den Namen Neu-Anspach.

Zu einer Großgemeinde unter dem Namen Wehrheim schlossen sich 1972 zusammen: Wehrheim, Obernhain, Friedrichsthal und Pfaffenwiesbach.

Die Stadt Usingen im Taunus vergrößerte sich 1972 um sechs Stadtteile: Eschbach, Kransberg, Merzhausen, Michelbach, Wernborn und Wilhelmsdorf. Die im Nordosten des ehemaligen Kreises Usingen gelegenen Dörfer Brandoberndorf und Weiperfelden gehören seit der Gebietsreform zum Lahn-Dill-Kreis, Cleeberg und Espa zum Kreis Gießen.

Im Usinger Land mit seinen kleinen Ortschaften gestaltete sich die Neuordnung langwierig und gelegentlich kompliziert.

Zum 1.12.1970 erfolgte der Zusammenschluss der Gemeinden Altweilnau, Neuweilnau, Riedelbach, Finsternthal und Mauloff zur Großgemeinde "Weilnau". Zum 31.12.1971 schlossen sich die Gemeinden Cratzenbach, Rod a.d.Weil, Gemünden und Winden zur Großgemeinde "Rod a.d.Weil" zusammen. Diese beiden Großgemeinden vereinigten sich am 1.8.1972 zur Großgemeinde mit dem neu geschaffenen Namen Weilrod. Zu Weilrod gehört seither auch Hasselbach, das jahrzehntelang Bestandteil des Landkreises Limburg gewesen war, außerdem Niederlauken, Oberlauken und Emmershausen.

Dagegen wurde das ehemals usingische Hasselborn ausgegliedert und dem Kreis Limburg-Weilburg zugeordnet.

Als historisch gewachsenes Gebilde stellt sich die Großgemeinde Grävenwiesbach dar. Außer der namengebenden Kerngemeinde gehören ihr seit 1972 ausschließlich Ortschaften an, die seit Jahrhunderten zum Kirchspiel Grävenwiesbach gehörten: Heinzenberg, Hundstadt, Mönstadt und Naunstadt.

Dr. Angelika Baeumerth †