Licht und Insekten
Mangelnde nächtliche Beleuchtung hat unerwünschten Gästen wie Räubern und Einbrechern schon immer die Arbeit erleichtert. Aber anderen erwünschten Zeitgenossen, vor allem "nützlichen" Insekten, macht sie das Leben schwer, es sei denn, man verwendet die richtigen Lampen am richtigen Ort.
Jedes Jahr sterben viele Millionen Insekten, da sie durch das Licht von weiß-leuchtenden Lampen angelockt werden. Sie werden damit vielen Gefahren ausgesetzt sind, sei es durch die Wucht des Aufpralls an die Leuchtengehäuse (größere Tiere) oder durch die Hitzeeinwirkung an ungeschützten Lampen.
Tiere werden durch weißes Licht mit einem hohen Ultraviolett- und Blauanteil aus ihren Herkunftsbiotopen weggelockt. Sie finden aber an den Lampen keine Lebensräume zur Entwicklung, keine Nahrung und keine Geschlechtspartner. Denn auch diese werden durch die Beleuchtung verwirrt. Die "innere Uhr" der Tiere während der Nacht wird gestört.
Tiere wie Spinnen oder Fledermäuse, die Insekten als Nahrung suchen oder benötigen, nähern sich gezielt den Lichtquellen. Suchen solche Tiere (z. B. auch Spitzmäuse, Laufkäfer oder Igel) abgestürzte Insekten am Boden auf, können sie dadurch selbst gefährdet werden.
Was ist zu tun, wobei schon vieles getan wurde?
Zur Beleuchtung von Straßen wurden schon seit langer Zeit Quecksilberdampflampen (Bild oben rechts) benutzt. Nachtaktive Insekten nahmen das weiße Licht sehr stark wahr und sie wurden dadurch angelockt (Grafik links, Vidao-Link unten links).
Als Alternative kommen Natriumdampflampen oder Natriumhochdrucklampen (Bilder unten rechts) mit einem möglichst geringen Ultraviolett- und Blauanteil in Frage, deren gelbes Licht nur in geringem Maße die negativen Wirkungen auf Insekten hat. Natriumhochdrucklampen haben auch beim Einsatz auf Sportplätzen den Vorteil, dass nicht alles "Grau in Grau" erscheint, sondern dass Farben gut erkennbar bleiben.
Nicht vergessen werden darf eine Lösung, die für alle Lampen gilt. Wie beschrieben, ist nächtliche Beleuchtung sinnvoll, aber nicht überall. Also kann man durch Abschalten überflüssiger Beleuchtung, und sei es nur zu bestimmten Nachtzeiten, Energie sparen und - je nachdem - gleichzeitig Insekten schonen.
Die Themen hierzu im einzelnen zu nennen, würde den Rahmen dieser Seite sprengen. Es müssen jedoch sicher auch tatsächliche und vermeintkliche Tabus angesprochen werden. Es könnte z.B. darum gehen, daß manche Sportveranstaltung im Herbst eine halbe Stunde früher beginnen dürfte, auch hier weniger der Insekten als des Strom-Sparens wegen.
Weiteres siehe z.B. unter
● Die helle Not - Tiroler Umweltanwalt-
schaft, Innsbruck 2009
● Die helle Not - Tiroler Umweltanwalt-
schaft, Innsbruck 2012
● Künstliche Lichtquellen - Geiger, A.,
Kiel, E. F., Woike, M. (alle Landesamt
für Natur, Umwelt und Verbraucher-
schutz NRW), Künstliche Lichtquellen -
Naturschutzfachliche Empfehlungen,
Natur in NRW 4/07 S.46-48, Reckling-
hausen 2007
● Anlockwirkung - Höttinger, H., Graf, W.,
Zur Anlockwirkung öffentlicher Beleuch-
tungseinrichtungen auf nachtaktive In-
sekten - Hinweise für Freilandversuche
im Wiener Stadtgebiet zur Minimierung
negativer Auswirkungen, Studie im Auf-
trag der MA 22 (Umweltschutz), Endbe-
richt. Wien 2003
● Straßenbeleuchtung - Jäger, M., Imfeld,
J., Roffler, Chr., Schreiber, P., Togni.
G., Strassenbeleuchtung - Empfehlun-
gen für Gemeindebehörden und Be-
leuchtungsbetreiber, Zürich 2007
● Gelbes Licht - Hartmann, M., Gelbes
Licht ist besser!, Energieinstitut Vorarl-
berg, Dornbirn 2001
Video

● Insekten und Flutlicht (AVI-Format)
Ende August 2008
Fotos/Grafik/Video : Tilman Kluge 2006 ff.






