Johann Isaak von Gerning
Namenspatron der Kulturstiftung des Hochtaunuskreises ist der Gelehrte und Dichter Johann Isaak von Gerning (1767-1837).

Auch wenn Gerning in Frankfurt am Main geboren wurde und starb, ist er biographisch überaus eng mit dem heutigen Kreisgebiet verbunden: Seit 1802 verbrachte er den Sommer meist in seinem Kronberger Landhaus, das er "Tauninum" nannte; seit 1803 wohnte er auch in Homburg. 1804 erhielt er den Titel eines hessen-homburgischen Geheimrats; er vertrat die Landgrafschaft in der Bundesversammlung des Deutschen Bundes. Gerning ist damit den beiden historischen Staaten, an die der Hochtaunuskreis im wesentlichen anknüpft, gleichermaßen eng verbunden: der Landgrafschaft Hessen-Homburg und dem Herzogtum Nassau, zu dem Kronberg gehörte.
Johann Isaak von Gerning kann als einer der Väter des Namens "Taunus" gelten. In seinem Lehrgedicht "Die Heilquellen am Taunus" (1813), das dem Landgrafen von Hessen-Homburg gewidmet ist, unternimmt er eine imaginäre gelehrte Reise durch den Taunus; er trug dadurch wesentlich zur Durchsetzung des Namens "Taunus" statt der hergebrachten Bezeichnung "Höhe" bei.
Gerning erwarb sich auf zahlreichen Feldern des kulturellen Lebens - Literatur, bildende Kunst, Geschichte, Altertumskunde, Landeskunde - große Verdienste. Neben seinem landeskundlichen Werk "Die Heilquellen am Taunus" sind beispielsweise auch "Die Lahn- und Maingegenden von Ems bis Frankfurt" (1821) oder auch seine Ovid-Übersetzungen zu nennen.
Von Gerning stammt eine der ältesten Karten des Limes im Taunus. Seine umfangreiche Kunst- und Naturaliensammlung sowie seine Bibliothek bilden den Grundstock der heutigen entsprechenden Institutionen in Wiesbaden; ab 1821 stand Gerning als "ausländischer Direktor" an der Spitze des neu gegründeten Vereins für Nassauische Altertumskunde.
Johann Isaak von Gerning steht stellvertretend für die Epoche um 1800, die als eine kulturelle Blütezeit in der Geschichte des Taunus gelten kann. Die gelehrten Kreise im Umfeld des Landgrafenhofes mit Hölderlin und Sinclair, zu denen Gerning zu zählen ist, und seine weit gespannten Kontakte zu anderen Geistesgrößen, können dafür exemplarisch stehen. Andererseits ist die Zeit um 1800 auch in der politischen Geschichte des Kreisgebietes eine Epoche des Umbruchs, der eine Schlüsselstellung zukommt - man denke nur an die durch Säkularisation und Mediatisierung bedingte Neuordnung der politischen Landkarte.
Johann Isaak von Gerning steht zuletzt auch exemplarisch für die Verbindung eines weiten geistigen Horizontes und der konkreten Arbeit vor Ort - ein Qualitätsanspruch, dem auch die nach ihm benannte Stiftung gerecht werden will.
Literatur:
Franz Götting, Johann Isaac von Gerning 1767-1837, in: Karl Wolf (Hg.), Nassauche Lebensbilder, Bd. 5, Wiesbaden 1955.
Bildnachweis:
Johann Christian Müller (nach Angelika Kauffmann): Johann Isaak von Gerning, Radierung, 1802. Inv. Nr. III-15465. (c) http://www.goethehaus-frankfurt.de
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