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Notfallverbund für Archivwesen im Hochtaunuskreis

 

Unterzeichnung der Notfallvereinbarung durch Landrat Ulrich Krebs

 

Das Jahr 1997, welches das Hochwasser an der Oder brachte, das Elbehochwasser von 2002 mit seinen Schäden an den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden, das Jahr 2004 mit der Brandkatastrophe in der Herzogin-Anna-Amalia Bibliothek und nicht zuletzt der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln zeigen deutlich, wie gefährdet unser historisches und kulturelles Erbe im Katastrophenfall ist. Alle drei Ereignisse führten zu einer Vernichtung unwiederbringlichen Kulturgutes in erheblichem Ausmaß. Auch wenn Katastrophen nicht verhindert werden können, so kann doch durch eine entsprechende Vorbereitung das Ausmaß der Schäden tunlichst in Grenzen gehalten werden. Auch der Landesverband Hessen im Verband deutscher Archivarinnen und Archivare betonte erst vor wenigen Tagen in seiner Erklärung "Kulturpolitik heißt, unsere kulturelle Substanz zu bewahren - Köln ist überall" mit Nachdruck die Notwendigkeit einer detaillierten Notfallplanung zur Gewährleistung einer dauerhaften Erhaltung unseres schriftlichen Kulturguts.

 

Zu diesem Zweck haben sich die hauptamtlich besetzten Archive des Hochtaunuskreises unter Federführung des Kreisarchivs mit der Frage auseinandergesetzt, wie sich Schäden dieser Art minimieren bzw. verhindern lassen. Maßnahmen zum Schutz der hier verwahrten bedeutenden Unterlagen vor größeren, aber auch kleineren (z.B. Wasserrohrbrüche, Heizungsdefekte etc.) Katastrophen sollen im "Notfallverbund für Archivwesen im Hochtaunuskreis" durch die beteiligten Archive erarbeitet werden, um organisatorische und technische Defizite im Katastrophenfall von vornherein ausschließen zu können.

 

Die Archive des Hochtaunuskreises sind häufig nur mit ein oder zwei Personen besetzt, die mit dem Arbeitsanfall im Katastrophenfall überlastet wären. Um den bestmöglichen Erhalt der Unterlagen zu garantieren, ist es wichtig, dass die umliegenden Städte und Gemeinden sich gegenseitige Hilfestellung zusichern, um den Erhalt des regional bedeutenden Archivguts sicherstellen zu können.

 

Am 5. November 2009 konnte nun die die "Notfallvereinbarung für Archivwesen im Hochtaunuskreis" durch Landrat Ulrich Krebs, Oberbürgermeister Michael Korwisi (Bad Homburg), den Ersten Stadtrat Walter Krimmel (Königstein), Bürgermeister Klaus Temmen (Kronberg) und Bürgermeister Hans-Georg Brum (Oberursel) unterzeichnet werden.

 

 

 Archivarinnen des Hochtaunuskreises

 

 

Im Rahmen der Unterzeichnung der Notfallvereinbarung übergab Dr. Lars Adler, Leiter der Archivberatungsstelle Hessen, dem Kreisarchiv als Grundstein für die Arbeit des Verbundes ein sogenanntes Notfallboxenset. Dieses enthält Materialien, um im Notfall erste Maßnahmen zur Rettung geschädigter Archivalien durchführen zu können. So finden sich darin Einweg-Schutzanzüge, Mundschutz und Handschuhe. Aber auch Stifte, Block und Etiketten, um den Schaden aufzunehmen und die Archivalien zu kennzeichnen. Praktische Gegenstände wie ein Werkzeugkoffer, eine Lampe und ein Mehrfachstecker sollen die Bergung der Archivgegenstände erleichtern.

 

Die verabschiedete Notfallvereinbarung sieht nicht nur die detaillierte Planung präventiver Maßnahmen, sondern auch die Übungen für den Notfall vor. Im Rahmen regelmäßiger Schulungen soll der Ernstfall geübt und gedanklich durchgespielt werden.

Erste Erfahrungen sammelten die Archivare bereits im April bei der Bergung der Archivalien des Historischen Archivs der Stadt Köln

(s. ArchivNachrichten Hessen 9/1 2009) und im Oktober bei einer Notfallübung im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden.

 

Die Teilnehmenden wurden im Umgang mit geschädigten Materialien zunächst theoretisch geschult und setzten diese Kenntnisse danach praktisch um. Durchnässte Archivalien wurden in Folie eingewickelt und für die Schockgefrierung vorbereitet. Aus den Regalen herausgefallene, trockene Archivalien wurden fachgerecht in Umzugskisten gepackt. Für diese Übung stellte das Hauptstaatsarchiv eine Notfallbox zur Verfügung. Die Teilnehmer bekamen so einen guten Einstieg zur Handhabung der Notfallboxen sowie der Arbeitsabläufe im Notfall.

 

 

 

Das Kreisarchiv hilft

bei der

Sicherung und Bergung

der Archivalien des

Historischen Archivs der Stadt Köln