Geodaten: Regierungspräsidentin übergibt Zuwendung für Infrastrukturnetz

Datum: 13.04.2018
IKZ-Bescheid Übergabe durch Frau Lindscheid

Darmstadt/Bad Homburg. Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid hat heute im Landratsamt des Hochtaunuskreises Landrat Ulrich Krebs den Bescheid für den Aufbau einer kreisweiten Geodateninfrastruktur (GDI) übergeben. Das Land Hessen gewährt dafür 100.000 Euro aus dem Landesausgleichsstock. Durch den gegenseitigen Zugriff auf Daten, Austausch, Aufbereitung und die gemeinsame Veröffentlichung kommunaler Geodaten soll deren Verarbeitung vereinfacht werden.

Der Betrag wird den Projektbeteiligten vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt auch deshalb ausgezahlt, weil damit langfristig Kosten gespart werden können. So will der Hochtaunuskreis die Geodateninfrastruktur mit den ihm angehörenden Kommunen gemeinsam aufbauen. Durch diese Zusammenarbeit sollen die jährlichen Kosten der beteiligten Kommunen für die Bereitstellung digitaler Geodatensysteme um fast 40 Prozent gesenkt werden – über 100.000 Euro im Jahr.

„Das ist eine erhebliche Summe, die dann für andere Vorhaben zur Verfügung steht“, sagte Regierungspräsidentin Lindscheid bei der Übergabe des Bescheids. Zuletzt hatte sie bereits einen Bescheid in gleicher Sache an den Kreis Bergstraße übergeben. Sie könne sich daher gut vorstellen, dass nun weitere Kreise diese Möglichkeit zur Kostenreduzierung nutzten.

Im Hochtaunuskreis ist das Projekt bereits in Teilen angelaufen. Synergien entstehen unter anderem durch die gemeinsame Nutzung von Netzkomponenten (einschließlich Hard- und Software), die Vermeidung von Mehrfach-Erhebungen von Geodaten, die einheitliche Bereitstellung der digitalen Infrastruktur auf regionaler Ebene, die Optimierung kommunaler und interkommunaler Geschäftsprozesse und die Verbesserung von Grundlagen für Entscheidungsträger sowie deren Verwaltung. „Es ist immer sinnvoll, etwas gemeinsam zu nutzen, um es allen leichter zu machen“, lobt Landrat Ulrich Krebs das Projekt. Raumbezogene Daten seien längst für viele Bereiche des Lebens unverzichtbar, so Krebs.

Die Aufgabenerfüllung wird durch eine entsprechende Vereinbarung mit den 13 Städten und Gemeinden geregelt – Stichwort: Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ). Vergleichbare Projekte hat das Land Hessen bereits in Nord- und Mittelhessen gefördert. Aufgrund von EU-Vorgaben müssen Geodaten nicht nur verwaltungsintern erhoben und digital aufbereitet, sondern schrittweise auch Bürgern und Unternehmen zugänglich gemacht werden.

 

Hintergrund

Laut der EU-Richtlinie INSPIRE („Infrastructure for spatial information in Europe“) soll in Europa eine einheitliche Geodaten-Infrastruktur entstehen. Ziel ist die Interoperabilität, also die Fähigkeit zur Zusammenarbeit der Systeme in dem Bereich. Geodaten aus klassischen (geografischen) Karten werden im digitalen Zeitalter zunehmend mit anderen relevanten Daten verknüpft, etwa mit Fachinformationen. Durch diese sogenannte Referenzierung entsteht ein Mehrwert, der für ganz unterschiedliche Anwenderinnen und Anwender neue Möglichkeiten bietet.

Geodaten zu sammeln, hat eine lange Tradition: Vor etwa 15.000 Jahren zeichneten die Menschen die Bilder ihrer Beutetiere an die Wände ihrer Höhlen. Dann fügten sie Pfad- und Strichzeichnungen hinzu, die die Wanderrouten der Tiere markierten. Das war nichts anderes als eine Speicherung von Geodaten: Ein Objekt wird in Zusammenhang mit einem Standort gebracht.

Heute sind solche raumbezogenen Daten ein selbstverständlicher Bestandteil des täglichen Lebens. Wir geben unser Reiseziel in ein Navigationssystem ein und auf Knopfdruck erhalten wir die gewünschte Route angezeigt.

Doch die Bedeutung umfassender Geoinformationssysteme ist noch sehr viel größer, denn etwa 80 Prozent aller politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen basieren heute auf einem Raumbezug. Kein Bauvorhaben kann ohne Geodaten realisiert werden: Vom Gartenhäuschen bis zum Einkaufszentrum, von der Umgehungsstraße bis zur Flughafen-Landebahn - wer die räumlichen Rahmenbedingungen nicht kennt, kann keine effiziente Entscheidung treffen.

Jetzt jedoch gibt es für den Zugriff auf Geodaten und deren übergreifende Nutzung ein gemeinsames, zentrales Modell, nämlich ein digitales Netzwerk, mit dem sich Geodaten in Sekundenschnelle bequem wie in einem Routenplaner durchsuchen lassen. Und zwar online, mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Datenbeständen und mit allen relevanten Informationen.

Der Name eines solchen Netzwerks lautet "Geodateninfrastruktur" - GDI.

 

Gruppenbild mit Dame von links: Bürgermeister Leonhard Helm, Königstein, Bürgermeister Steffen Wernard, Usingen, Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid, Landrat Ulrich Krebs, Bürgermeister Klaus Temmen, Kronberg, Bürgermeister Thomas Pauli, Neu-Anspach,  Bürgermeister Roland Seel, Grävenwiesbach.

 

 

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