Herausforderung Demenz - 10 Jahre Fachstelle von Stadt Bad Homburg und Hochtaunuskreis

Datum: 09.04.2018
10 Jahre Fachstelle Demenz, Lucia Lewalter-Schoo, Monika Schmucker, Katrin Hechler

Hochtaunuskreis. Die Fachstelle Demenz wird in diesem Jahr zehn Jahre alt. Aufbauend auf den Ergebnissen eines Modellpro-jektes des Caritasverbandes Hochtaunus wurde 2008 vom Hochtaunuskreis und der Stadt Bad Homburg diese gemeinsame Fachstelle eingerichtet. Ziel war es, zu einer besseren Versorgung der Menschen mit Demenzerkrankung beizutragen. Den Erkrankten und ihren Angehörigen soll der Zugang zu adäquaten Hilfen er-möglicht werden. In der Fachstelle sollen Fachkompetenzen gebündelt und durch die Arbeit bestehende Hilfssysteme miteinander vernetzt werden. Wichtig war auch immer, die Öffentlichkeit über die Erkrankung zu informieren.

Die Fachstelle arbeitet finanziell unabhängig und neutral gegen-über allen Trägern. Sie will alle Bevölkerungsschichten erreichen. In den letzten 10 Jahren wurden über 3500 Beratungsgespräche geführt. Neben der akuten Frage nach der Versorgung des erkrankten Menschen z.B. bei einem unerwarteten Ausfall des pflegenden Angehörigen oder Fragen nach Alltagshilfen, steht häufig eine psychosoziale Beratung im Mittelpunkt.

Im Laufe der vergangenen zehn Jahre haben sich in Städten und Gemeinden des Kreises unterschiedliche Hilfsangebote, Netzwerke und Arbeitsgruppen entwickelt und das kreisweit aktive Demenzforum wurde gegründet. Auch die Pflegestärkungsgesetze haben zur Verbesserung der Versorgung von Demenzerkrankten beigetragen.

„Wir sind sehr froh, dass wir mit Monika Schmucker als ausgebildete Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Casemanagerin eine umfassend kompetente Ansprechpartnerin in der Fachstelle haben. Sie hilft vielen Menschen, die häufig mit ihren Sorgen alleine gelassen sind“, betonen die Sozialdezernentinnen Katrin Hechler (Hochtaunuskreis) und Lewalter-Schoor (Bad Homburg).

Bei den Gesprächen in der Fachstelle geht es nicht nur um Fragen im Umgang mit den Verhaltensänderungen, die mit der Erkrankung einhergehen oder die Vermittlung von Versorgungsangeboten.

Bei beginnender Demenz und dem ersten Schock über die Diagnose steht die Angst vor dem Verlauf der Erkrankung oft im Vordergrund. Dabei können Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz in der Regel mit entsprechender Unterstützung noch gut am Leben in der Gesellschaft teilnehmen. Die Aufklärung und das Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten in der Beratung erleben die Menschen angstlösend und beruhigend. Sie erfahren, dass sie nicht alleine stehen.

Bei weit fortgeschrittener Erkrankung sind die Angehörigen stark belastet. Der pflegende Angehörige lebt jeden Tag mit einem geliebten Menschen zusammen, der sich in seiner Persönlichkeit verändert. Ein einst besonnener Mensch wird unruhig, ungeduldig, manchmal aggressiv. Ein einst aktiver Mensch zieht sich zurück und ist antriebsarm. Auseinandersetzungen und Gespräche zur gemeinsamen Entscheidungsfindung sind häufig nicht mehr möglich.

Häufig lassen die Erkrankten Hilfen von außen nicht zu. Bei den Angehörigen besteht eine fortlaufende Trauer und Erschöpfung, gemischt mit Hoffnungen auf gute Tage.

Im Alltag steht für die Angehörigen der Erhalt der eigenen Funktionsfähigkeit im Mittelpunkt, eigene körperliche Grenzen werden übergangen. Der eingeschränkte Blick auf die Demenzerkrankung erschwert den Alltag. Ressourcen, die der Erkrankte noch hat, aber auch die Auswirkung anderer Erkrankungen auf den Alltag und die Pflege können leicht aus dem Blick geraten. Angehörige berichten nach den Beratungen in der Fachstelle wie erleichternd sie das Gespräch empfunden haben und wie wichtig es für sie war, dass eine gemeinsame Perspektive entwickelt werden konnte.

„Eine ganzheitliche Beratung mit einem Blick auf das gesamte Lebensumfeld, die Einbeziehung weiterer Erkrankungen, das Vermitteln adäquater Hilfen und die psychosoziale Betreuung sind mir sehr wichtig“, erklärt Monika Schmucker. Auch die Öffentlichkeitsarbeit habe eine große Bedeutung, damit die Bevölkerung über das Krankheitsbild aufgeklärt sei und ein verbessertes Verständnis für die Erkrankten und deren Angehörige erreicht werde.

Nach statistischen Hochrechnungen des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung gibt es im Hochtaunuskreis etwa 4100 demenziell Erkrankte. Genauere Zahlen liegen nicht vor, es gibt keine Meldepflicht für diese Erkrankung.

Kontakt: Fachstelle Demenz des Hochtaunuskreises und der Stadt Bad Homburg im Landratsamt, Ludwig-Erhard-Anlage 1-5, 61352 Bad Homburg, Eingang 3, 5. Stock, Zimmer 559;

Telefon: 06172/9995161, Email: . Beratungstermine nach Vereinbarung im Landratsamt oder auch bei Hausbesuchen.

 

 

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