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Pilze

Leicht ist es, auf Silber und Gold zu verzichten und auf die Freuden der Liebe, doch ein Pilzgericht stehen zu lassen, ist schwer.

(Marcus Valerius Martialis ~28 - ~102 a. Chr. n.)


Amanita_pantherina_1So kennen viele Menschen Pilze vor allem als Nahrungsmittel, stellenweise verbunden mit dem Erlebnis, Pilze zu suchen und keine zu finden. Oder man weiß nicht, ob es sich um genießbare oder ungenießbare Pilze (wie den Pantherpilt. Foto rechts) handelt oder ob man gar einen Champignon (Foto 2) mit einem Knollenblätterpilz (Foto 3) verwechselt hat. Hierzu gäbe es vielerlei zu sagen, siehe


Wider den tierischen Ernst


aber tatsächlich sind diese Lebewesen weit mehr als eine aus dem Walde oder von der Wiese besorgte Bereicherung der Kochkunst.


Ohne Pilze gäbe es keinen Käse, kein Bier, keinen Wein, keine fruchtbaren Böden oder Antibiotika.


Pilze (lat. Fungi) bilden in der biologischen Klassifikation neben Tieren und Pflanzen ein eigenständiges Reich. Zu ihm gehören Einzeller wie die Backhefe wie auch Mehrzeller wie die Schimmelpilze und die Speisepilze.


Man kennt heute etwa 100.000 Pilzarten; manche Fachleute nehmen an, dass es über 1.000.000 Arten geben könnte.


Vermutlich existieren Pilze schon seit 900 bis 1200 Millionen Jahren. Angebliche, ältere Funde aus China und Australien mit einem Alter von 1,5 Milliarden Jahren müssen jedoch erst noch als Pilze bestätigt werden. Aber wozu gehören Pilze aus der Sicht von Biologen eigentlich?


Wiesenchamp1

 

Nachdem Pilze wie Pflanzen "sesshaft", also anders als Tiere nicht unterwegs sind, hat man sie lange dem Reich der Pflanzen ("Regium plantarum") zugeordnet. Entsprechend erfolgte auch eine Auskunft des Bundeslandwirtschaftsministeriums noch 1991, man könne Pilze in das "Regium plantarum" einordnen. Inzwischen sind sich aber viele Fachleute darüber einig, dass Pilze wegen ihrer physiologischen und genetischen Eigenschaften enger mit Tieren als mit Pflanzen verwandt sind.

 

 

 

 


KNBLDenn Pilze ernähren sich wie Tiere von organischen Nährstoffen ihrer Umgebung, die sie meist durch Abgabe von Enzymen aufschließen (wie es auch die Spinne macht) und dadurch löslich und für sich verfügbar machen.


Pilze vermehren und verbreiten sich geschlechtlich, ungeschlechtlich und vegetativ. Die ersten beiden Wege erfolgen durch Sporen, der dritte Weg erfolgt durch Ausbreitung manchmal sehr langlebigen Zellgeflechte (Myzelien) mehrzelliger Arten. Diese Myzelien aus mikroskopisch kleinen Fäden (sog. Hyphen, Durchmesser 2-100 µm) besiedeln ein festes Substrat, beispielsweise Erdboden, Holz oder anderes lebendes oder abgestorbenes organisches Gewebe.


Die andere Pilz-Form sind Einzeller, beispielsweise Hefen (Bier, Wein s.o.)


Das Größenspektrum der Pilze reicht von mikroskopisch kleinen Arten bis zu den vergleichsweise leicht erkennbaren Großpilzen. Diese Großpilze fallen durch ihre meistens (anders die Trüffeln) überirdischen Fruchtkörper auf. Sie sind hut-, keulen-, knollen- oder krustenförmig und bestehen immer aus eng verflochtenen Hyphen ("Scheingewebe"). Die Fruchtkörper sind also nur ein kleiner Teil des gesamten ansonsten im Verborgenen lebenden Organismus´ und dienen der Vermehrung, Überdauerung und Ausbreitung durch Bildung von Sporen. Bei Hutpilzen befindet sich die Fruchtschicht unter dem Hut und bedeckt dort die Oberflächen der Leisten, Lamellen oder Röhren. Umweltbewusste Pilzsucher lassen "reife" Fruchtstände stehen, zumal sie sich ohnehin nicht mehr zur Ernährung eignen.


Die Fruchtkörper entstehen sehr schnell, man sagt nicht umsonst, etwas, das sich schnell verbreitet, "schieße wie Pilze aus dem Boden".


Hallimasch_1Das Myzel einer Hallimaschart (Armillaria ostoyae, in Amerika Honey Mushroom genannt) aus dem Malheur National Forest (USA) ist mit einer Ausdehnung von 8,8 km² und einem geschätzten Alter von 2400 Jahren eines der ältesten und das größten Lebewesen der Erde. Den heimischen Hallimasch sieht man auf dem Foto rechts. 


Alle Pilze brauchen die von anderen Lebewesen gebildeten organischen Stoffe. Sie bilden die wichtigste Gruppe der am Abbau organischer Materie beteiligten Lebewesen und gelten damit neben den Bakterien als bedeutendste Abbau-Organisman (Destruenten). So sind es fast ausschließlich Pilze, die die komplexen Verbindungen in verholzten Zellwänden von Pflanzen, aufspalten und verwerten können. Zusammen mit Bakterien und tierischen Kleinstlebewesen bilden sie aus organischem Abfall den Humus.


Viele Pilzarten nutzen nicht nur totes, sondern auch lebendiges Material. Das macht sie auch zu Schädlingen an Mensch, Tier und Pflanze vom Fußpilz bis zum (importierten) Maisrost. Nicht nur die Fruchtkörper mancher Großpilze sind erst beim Verzehr giftig (Knollenblätetrpilz), sondern geben auch ansonsten Gifte (Mykotoxine) ab. Sogar der Schwerpunkt vieler Untersuchungen von Innenraumluft liegt bei diesem Aspekt, da gesundheitsschädliche Effekte von Staub aus Pilzsporen und -hyphen zunehmend auch Mykotoxinen und nicht nur klassischen allergenen Wirkungen dieses Staubes zugeschrieben werden.

Parasol1
Der Nutzen für die Menschen überwiegt aber bei weitem, etwa als Speisepilz oder im Biofermenter zur Herstellung von Alkohol, Zitronensäure oder Vitamin C. Bestimmte Pilze werden auch als Heilpilze verwendet. In der Volksrepublik China sind zahlreiche Großpilze seit Jahrhunderten Bestandteil der Traditionellen chinesischen Medizin. Unabhängig von derlei Gesichtspunkten werden Medikamente wie das Antibiotikum Penicillin aus Pilzen gewonnen.


Viele Pilzarten sind bekannte und beliebte Nahrungsmittel, die inzwischen oft "industriell" hergestellt werden. Es gibt aber auch nicht kultivierbare Arten, wie Steinpilz, Pfifferling und Trüffel.

 

ACHTUNG!

 

So gesund das Wandern beim Pilzesuchen ist, so idyllisch verwunschene Waldflächen und entlegene Lichtungen sein mögen, so leicht können dadurch auch das Wild insbesondere und die Waldökolgie im allgemeinen gestört werden.

 

Man muß also mit Bedacht an die Sache herangehen, um nicht Wildschaden, d.h. Schaden am Wild und Schaden durch das wild hervorzurufen. Es kann auch nicht in Ihrem Interesse sein, wenn eine Hirschkuh mit ihrem Kalb so verängstigt auf eine Störung reagierte, dass sie ihren Tagesstand fluchtartig verläßt, zumal das für die Tiere kräftezehrend und gefährlich ist. Wanderer, auch pilzesuchende, die die üblichen Wege verlassen, werden von Rotwild als Bedrohung angesehen.

 

Vor allem Kinder sind neugierig und nichts ist schlechter, als Kindern ihre Neugier zu nehmen. Aber in Sachen Pilze und Pilzesuchen kann man auch Kindern, ohne daß es der Neugier schaden könnte, frühzeitig interessante Informationen vermitteln, was es mit den ökologischen Notwendigkeiten auf sich hat.

 

Im eigenen Intersse sollten Sie sich vor Zecken schützen, die im Gras, in Büschen und im Unterholz sitzen. Beim kleinsten Zweifel an der Essbarkeit von Pilzen oder Wildfrüchten sollte man diese immer stehen oder hängen lassen. Sammeln Sie immer nur soviel Pilze, wie Sie auch verwerten können. Achtung Fuchsbandwurm: Seine Eier sind unsichtbar und können sich überall befinden. Daher alle Kostbarkeiten aus dem Wald gründlich waschen und durchschmoren. Einfrieren macht den Erreger nicht unschädlich.

 

ARTENSCHUTZ!

 

Viele bei den Sammlern beliebte Pilze zählen außerdem laut Bundes-Artenschutz-Verordnung zu den besonders geschützten Arten. Das Bundesrecht verbietet, diese "abzuschneiden, abzupflücken, aus- oder abzureißen, auszugraben, zu beschädigen oder zu vernichten". Allerdings enthält die Bundes-Artenschutz-Verordnung eine Ausnahmegenehmigung nach der Steinpilze, Pfifferlinge, Birkenpilze und Rotkappen, Morcheln, Schweinsohr und Brätling in geringer Menge für den eigenen Bedarf gesammelt werden dürfen. Aber auch nicht besonders geschützte Pilzarten, zu denen der Maronenröhrling oder der Hallimasch gehören, dürfen nur für den eigenen Gebrauch gesammelt werden. Bei 2 kgg pro Pilzsucher pro Tag ist man gut bedient. Für Trüffel und Grünlinge besteht diese Ausnahmeregelung nicht. Sie dürfen nicht gesammelt werden. Gewerbliches Sammeln ist generell verboten. Die gleichen Regeln gelten im übrigen auch für das Sammeln von Beeren und Pflanzen! 

 

 

Literatur

 

Kulturgeschichtliches - Giebelmann, R., Kulturgeschichtliches zu Wulstlingen, Institut

   für Rechtsmedizin der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald, T + K (2006) 73 (3)

   S.95 ff., Greifswald 2006


 

Fotos 1,2,3,4: Wikipedia 2005,2004

Foto 5: Tilman Kluge 2004