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| 02.04.2009 16:44 |
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Hochtaunuskreis. Acht renommierte Historiker und rund 100 interessierte Zuhörer beschäftigten sich in der vergangenen Woche drei Tage lang intensiv mit dem Thema "Preußen in der Rhein-Main-Region: 1866 - Annexion als Modernisierung?". Nach dem Abschluss der Tagung zieht der Hochtaunuskreis eine positive Bilanz. Der Fachbereich Kultur des Kreises hatte die Tagung gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte ausgerichtet. "Die Tagung hat einen reichen wissenschaftlichen Ertrag gebracht, indem sie die Frage nach der Bedeutung Preußens in der Geschichte unserer Region aus zahlreichen Perspektiven beleuchtet hat", resümiert Landrat Ulrich Krebs. "Das Ziel der Tagung war es, diese spannende historische Frage zu untersuchen und sie einer interessierten Öffentlichkeit zu vermitteln - das ist in vollem Umfang gelungen."
Am Beginn der Tagung stand ein öffentlicher Abendvortrag von Professor Heinz Duchhardt, einem der beiden Direktoren des Instituts für europäische Geschichte in Mainz. Er spannte in seinem Vortrag einen weiten Bogen und zeigte von der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zur Annexion von 1866 die wechselvollen Beziehungen der Rhein-Main-Region zu Preußen auf. In einem zweiten Grundlagenvortrag widmete sich Professor Eckhart G. Franz, einer der besten Kenner der hessischen Landesgeschichte, den engen dynastischen Verflechtungen zwischen den Linien des Hauses Hessen und dem Haus Hohenzollern seit dem Mittelalter. In die Ereignisse des Jahres 1866 - preußisch-deutscher Krieg, Besetzung und schließlich Einverleibung von Nassau, Hessen-Homburg, Kurhessen und Frankfurt - führte der Vortrag von Gregor Maier, Leiter des Fachbereichs Kultur im Hochtaunuskreis. Er zeigte, wie unterschiedlich die Betroffenen, also die Öffentlichkeit im Herzogtum Nassau, auf den Griff Preußens nach der Region reagierte.
Die folgende Mehrzahl der Vorträge behandelte die Frage, was der Einschnitt von 1866 und damit die Zugehörigkeit zu Preußen für einzelne Felder des öffentlichen Lebens bedeutete. Den Anfang machte der Direktor der Mainzer Universitätsbibliothek, Andreas Anderhub, mit einem Blick auf die preußische Verwaltungspraxis am Beispiel der durch Preußen neu eingerichteten Institution des Landkreises. Professorin Barbara Dölemeyer vom Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte warf den Blick auf Verfassung und Justiz. Hier bedeutete die Zugehörigkeit zu Preußen einen erheblichen Einschnitt. Vor allem für die Landgrafschaft Hessen-Homburg, die bis dahin keine geschriebene Verfassung hatte, brachten die Preußen nicht nur eine Verfassung, sondern auch drei Parlamentswahlen in kürzester Zeit. Für die Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens sei dagegen der Herrschaftswechsel zu Preußen von geringerer Bedeutung gewesen, da die wesentlichen Weichenstellungen schon vor 1866 erfolgt seien, konstatierte der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Ralf Banken - eine These, die für Diskussionen sorgte. Stefan Ruppert vom Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte nahm anschließend die beiden großen Konfessionen in den Blick: Deren Stellung im Staat änderte sich unter preußischer Herrschaft ebenfalls erheblich; für die katholische Kirche spielte dabei vor allem der Limburger Bischof Peter Josef Blum eine wichtige Rolle. Zum Abschluss der Vorträge präsentierte der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und langjährige Präsident des hessischen Landesamtes für Denkmalpflege, Professor Gottfried Kiesow, anschaulich den baulichen Wandel Wiesbadens von der nassauischen Residenz- zur preußischen Behördenstadt.
Abgerundet wurde die Tagung durch eine Exkursion, die den Teilnehmern einige herausragende preußische Spuren im Taunus näherbrachte: Die unter Wilhelm II. rekonstruierte Saalburg, die von seiner Mutter Victoria restaurierte Burg Kronberg sowie schließlich deren Witwensitz, Schloss Friedrichshof in Kronberg.
Die Tagung war zugleich die erste wissenschaftliche Veranstaltung in den neuen Räumen des Forschungskollegs Humanwissenschaften in Bad Homburg auf dem Gelände der Werner-Reimers-Stiftung. Der Stiftungsvorstand, Wolfgang R. Assmann, zieht ebenfalls eine positive Bilanz: "Ich freue mich sehr über diese Tagung des Hochtaunuskreises. Ihr Erfolg zeigt, dass unsere neuen Räume sowohl Platz bieten für exzellente, internationale Spitzenforschung als auch für wissenschaftliche Beiträge zur Entstehung der Rhein-Main-Region, die Anstöße zum Selbstverständnis und zum Zusammenwachsen der Region geben."
Die Vorträge der Referenten werden in einem Tagungsband, der voraussichtlich im kommenden Jahr erscheinen wird, im Einzelnen nachzulesen sein. |
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