Hochtaunuskreis: Bericht zur Lage der Landwirtschaft
| 23.11.2011 11:17 |
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Hochtaunuskreis. Mit über 50 Prozent Wald und rund 30 Prozent landwirtschaftlicher Fläche ist der Hochtaunuskreis nach wie vor ein ländlich geprägter Landkreis. Welche Rolle die Landwirtschaft im Hochtaunuskreis spielt, welchen Herausforderungen sie sich gegenüber sieht und welche Entwicklung sie nimmt, zeigt der Bericht „Landwirtschaft im Hochtaunuskreis. Entwicklung - Aufgabe - Bedeutung“, den das Amt für den ländlichen Raum vorgelegt hat. „Der Hochtaunuskreis verdankt der Landwirtschaft seine abwechslungsreiche Landschaft ebenso wie einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung. Wir müssen uns der Bedeutung daher immer wieder bewusst werden und dies auch bei der Entwicklung unseres Kreises mit bedenken“, so Landrat Ulrich Krebs bei der Vorstellung des Berichts.
285 aktive landwirtschaftliche Betriebe gibt es zurzeit im Kreisgebiet, allein im Stadtgebiet von Usingen sind es 44. In der Gemarkung Grävenwiesbach wird mit 2.514 Hektar die größte Fläche bewirtschaftet. Dem gegenüber steht die Stadt Steinbach mit 5 Höfen und nur noch 176 Hektar landwirtschaftlicher Fläche. Insgesamt stehen 12.325 Hektar für die landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung, durchschnittlich bewirtschaftet jeder Betrieb 43,4 Hektar. Die Betriebsgrößen variieren von unter zwei bis 600 Hektar. 37 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe im Hochtaunuskreis werden im Haupterwerb geführt, 63 Prozent im Nebenerwerb. „Obwohl die Böden im Vordertaunus zu den fruchtbarsten Bodentypen zählen, liegt der Schwerpunkt der Landwirtschaft im Usinger Land. Während in Neu-Anspach, Usingen und Wehrheim Betriebe mit Tierhaltung das Bild prägen, gibt es in Grävenwiesbach und Weilrod große Ackerbaubetriebe. Damit handelt es sich um einen wichtigen Produktionsstandort für hochwertige Lebensmittel und nachwachsende Rohstoffe. Die landwirtschaftliche Fläche im Vordertaunus wird aufgrund der dort vorhandenen hervorragenden Bodenqualität fast ausschließlich für den Ackerbau genutzt“, fasst Krebs Aussagen des Berichts zusammen. Insgesamt gibt es nach Erhebungen des Hessischen Statistischen Landesamtes in der Landwirtschaft 817 Beschäftige im Hochtaunuskreis, 245 davon in Vollzeit.
Die Herausforderung, der sich die Landwirtschaft im Ballungsraum stellen muss, ist der Flächenverlust. „In den vergangen zehn Jahren ist die landwirtschaftliche Fläche von 14.644 auf 14.404 Hektar geschrumpft und damit der Siedlungs- und Verkehrsfläche gewichen“, berichtet der Landrat. Der Verbrauch an landwirtschaftlicher Fläche für Siedlungen und Verkehr sei das eine, hinzu komme, dass durch Zerteilung bestehender Flächen, nicht mehr nutzbare Restflächen entstünden. Darüber hinaus seien für den Naturschutz bei neuen Siedlungen Ausgleichsmaßnahmen zu erbringen, die häufig mit einer weiteren Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Nutzflächen einher gingen. Nicht selten werden die landwirtschaftlichen Betriebe durch den doppelten Flächenentzug in ihrer Existenz gefährdet.
Die Bedeutung der Tierhaltung wird im Bericht ebenfalls aufgegriffen: Zwar prägen Rinder (3.989) und Schafe (3.401) das Landschaftsbild des Hochtaunuskreises, hoch ist aber auch die Anzahl an Pferden (1.741). Hierbei handelt es sich jedoch vorrangig um Pensionspferdehaltung, wobei auch namhafte Pferdezuchtbetriebe ihren Sitz im Hochtaunuskreis haben. Schwerpunkte der Milchviehhaltung liegen in Wehrheim und Friedrichsdorf, in Bad Homburg, Usingen und Weilrod gibt es jeweils nur noch einen milcherzeugenden landwirtschaftlichen Betrieb. Die Schweinehaltung spielt im Hochtaunuskreis nur eine untergeordnete Rolle. Die Tierbestände verteilen sich überwiegend auf Kleinstbestände, die häufig in Kombination mit einer direkten Vermarktung von Fleisch- und Wurstwaren an den Endverbraucher bewirtschaftet werden. Der Haltung von Schafen - besonders der Wanderschäferei - kommt eine besondere Bedeutung zu. Viele der Grünlandflächen sind aufgrund ihrer Topographie nur als Weideflächen nutzbar. Daher werden Schafe in den Hanglagen wie im Schmittener Ortsteil Treisberg zur Pflege der Landschaft eingesetzt. Aber auch in den mechanisch nur schwer zu bewirtschaftenden Streuobstbeständen des Kirdorfer Felds in Bad Homburg sorgen die Schafe für den Erhalt der Freiflächen.
Der Beitrag der Landwirtschaft zur touristischen Attraktivität des Hochtaunuskreises zeigt sich in vielerlei Hinsicht: Durch zusätzliche Angebote habe sich die Landwirtschaft neue Einnahmequelle erschlossen und ziehe so zahlreiche Tagestouristen in den Hochtaunuskreis. So laden zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe zu Hoffesten und Hofbegehungen, in Bauernhofcafés und Hofläden ein oder vermieten Ferienwohnungen, stellen Tagungsräume zur Verfügung oder bieten Festscheunen als Veranstaltungsräume an. Zum anderen ist es die Landwirtschaft, die durch den Erhalt der Flächen, die Artenvielfalt und die Sichtbeziehungen im Taunus aufrecht erhält: „Ohne die Pflegemaßnahmen der Landwirte würde sich der Wald sein ursprüngliches Terrain zurückerobern, was zum Artenrückgang und zum Verlust der Kulturlandschaft führen würde. Gerade die Artenvielfalt und die Kulturlandschaft sind es aber, die viele Besuche in den Taunus führen und seinen Erholungswert ausmachen“, so Krebs.
Ziel des Hochtaunuskreises müsse es nach wie vor sein, die Landwirtschaft in ihrem Wirken zu unterstützen und dauerhaft zu erhalten. Krebs erinnert in diesem Zusammenhang an Aktionen und Initiativen des Kreises. „Der Laurentiusmarkt in Usingen mit der Kreistierschau bietet die Möglichkeit Landwirtschaft hautnah zu erleben und gibt gerade Schulklassen einen Einblick in den Alltag eines landwirtschaftlichen Betriebes“, so der Landrat. Zudem enthält die Broschürenreihe „Wir machen Ihnen den Hof“ Einblick in die Angebote der Landwirtschaft. Mit dem kürzlich vorgestellten Internetportal www.land-partie.de wurde zudem von Kreis und Partnern eine zeitgemäße Form der Angebotspräsentation geschaffen. Wichtig ist dem Amt für den Ländlichen Raum das Verständnis der Menschen für die Landwirtschaft und ihre Belange. Wissen weckt Verständnis, deshalb werden auf www.land-partie.de zunehmend auch Produkte aus der Landwirtschaft vorgestellt und Wissen über Zusammenhänge erläutert. Eine weitere Aktion ist der Feld und Flur Knigge, der mit dem Motto „Zu Gast bei Hofe“ für ein gegenseitiges Verständnis von Landwirten und Erholungssuchenden in Feld und Flur wirbt.
Aufgabe der Landwirte im Hochtaunuskreis wird es auch in Zukunft sein, Strategien zum Erhalt ihrer landwirtschaftlichen Betriebe zu entwickeln. „Ich bin dabei sehr zuversichtlich. Die Regionalität von Produkten wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Im direkten Kontakt des Landwirts zum Endverbraucher bestehen gute Chancen einer Kundenbindung. Auch andere Zuverdienste außerhalb der klassischen Landwirtschaft bieten noch Potentiale. Bei all den Überlegungen steht den Landwirten das Amt für den ländlichen Raum mit Rat und Tat beiseite“, so Krebs abschließend. |






