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Kriminalstatistik 2009: Fallzahlen steigen leicht, Polizei appelliert an Werteerhaltung


21.01.2010 15:30

Hochtaunuskreis. "Trotz einer leichten Erhöhung der Fallzahlen, bleibt der langfristig positive Trend der Kriminalitätslage im Hochtaunuskreis bei einer stetig steigenden Aufklärungsquote bestehen", lautet ein Fazit von Kriminaldirektor Gerhard Budecker, der gemeinsam mit Kriminaloberrat Reiner Sinkel die Kriminalstatistik für 2009 vorstellte. Budecker und Sinkel machten aber auch deutlich, dass eine zunehmende Gewaltbereitschaft Jugendlicher und junger Erwachsener, einhergehend mit Alkoholmissbrauch und damit zunehmender Gewaltausübung ein Problem darstelle: "Diesem schleichenden Werteverfall muss entgegengetreten werden."

 

"Hier zeigt sich, dass die zahlreichen bestehenden Initiativen im Bereich der Gewaltprävention an Schulen ein Schritt in die richtige Richtung sind. Gerade jungen Menschen Perspektiven für Schule, Beruf und Freizeit zu bieten und sie damit davon abzuhalten Straftaten zu begehen, ist Aufgabe aller staatlichen Stellen, in steter und enger Zusammenarbeit mit der Polizei und gesellschaftlichen Initiativen", unterstreicht Landrat Ulrich Krebs.

 

Krebs erinnerte bei der Vorstellung der Kriminalstatistik daran, dass der Hochtaunuskreis in diesem Jahr wieder den Preis für Zivilcourage vergibt. Dieser gebe ein deutliches Signal, dass Straftaten durch ein engagiertes Eingreifen der Bürgerinnen und Bürger zu verhindern sind.

 

Zudem bedankte sich der Landrat im Namen der Bürgerinnen und Bürger für die engagierte Arbeit der Polizei, die einen entscheidenden Beitrag zum Sicherheitsgefühl der Menschen beisteuere. Auch wenn die Landräte des Hochtaunuskreises schon seit Jahren nicht mehr unmittelbare Dienstvorgesetzte der Polizei im Hochtaunuskreis sind, wurde dennoch auch die Kriminalstatistik für 2009 in guter Tradition wieder im Landratsamt vorgestellt und erläutert.

 

Fallzahlen leicht steigend

Die Kriminalstatistik 2009 weist für den Hochtaunuskreis insgesamt 11.550 Fälle auf. Damit ist die Gesamtkriminalität zwar leicht gestiegen (um 598 Fälle = 5,5 Prozent), bleibt aber die drittniedrigste Fallzahl in den letzten zehn Jahren. Mit 6.218 Fällen wurden 423 Fälle mehr geklärt als im Jahre 2008. Die Aufklärungsquote liegt bei 53,8 Prozent und damit 0,9 Prozentpunkte höher als im Vorjahr.

 

Ein wichtiger Parameter der Kriminalstatistik ist die so genannte Häufigkeitszahl, die die statistische Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner aufzeigt. Im Hochtaunuskreis liegt diese Zahl bei 5.117 und damit natürlich auf Grund der leicht angestiegenen Fallzahlen über der Zahl des Vorjahres (4.845). Die Häufigkeitszahl im Hochtaunuskreis ist aber immer noch wesentlich niedriger als die des gesamten Polizeipräsidiums Westhessen (6.045) und Hessens (6.711). Allerdings zeigt sich das Stadt-Land-Gefälle sehr deutlich an den einzelnen Häufigkeitszahlen im Zuständigkeitsbereich. Liegt diese für Bad Homburg noch bei 7.197, so sinkt sie in Weilrod auf 1.892 und damit auf ein knappes Drittel des Durchschnittswertes im Hochtaunuskreis.

 

Anstieg betrifft nahezu alle Deliktgruppen

Bei dem Blick auf die einzelnen Deliktgruppen ist festzuhalten, dass sich der Anstieg der Fallzahlen auf nahezu alle Deliktsbereiche auswirkt. Rückläufig sind die Fallzahlen nur bei den so genannten strafrechtlichen Nebengesetzen, hier insbesondere dem Waffengesetz (minus 42,5 Prozent auf 73 Fälle) und den allgemeinen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz (minus 18,2 Prozent auf 305 Fälle).

 

Der Diebstahlsbereich hat nach wie vor den größten Anteil an der Gesamtkriminalität. Mit 4.670 Fällen (plus 154 Fälle = 3,4 Prozent) beläuft sich dieser auf immerhin 40,43 Prozent. Unterschiede gibt es jedoch im Anstieg der Fallzahlen bei einfachen und schweren Diebstahlsdelikten. So sind beim einfachen Diebstahl die Fälle um 32 auf 2.235 gestiegen, beim schweren Diebstahl um 122 auf insgesamt 2.435 Fälle. Besonders betroffen waren hierbei Diebstähle aus und in Dienst- und Büroräumen (plus 129 Fälle) und beim Wohnungseinbruch (plus 57 Fälle).

Erfreulich dagegen sei der Rückgang an Diebstahlsdelikten im Bereich unbarer Zahlungsmittel, also Giro- und Kreditkarten. Hier zeige die Aufklärungsarbeit Wirkung.

 

"Bedauerlich", so Kriminaldirektor Gerhard Budecker, "ist dagegen der Trend beim Wohnungseinbruch. War noch im letzten Jahr ein Rückgang zu verzeichnen, so sind in diesem Jahr die Fallzahlen erneut gestiegen, von 384 auf 441 Fälle." Budecker erinnerte in diesem Zusammenhang an das Serviceangebot der polizeilichen Beratungsstelle, Wohnungen und Häuser durch einen Fachmann begutachten zu lassen und Hinweise zur Verbesserung der Sicherheit an den Gebäuden zu geben.

 

Stark ist im Jahr 2009 die Anzahl an Straftaten gegen das Leben gestiegen. Lag die Gesamtzahl (einschl. Versuche) 2008 bei sieben Fällen, so waren es 2009 17. Bei den Raubdelikten stieg die Zahl von 110 auf 130 Delikte (= 18,2 Prozent) und bei den Körperverletzungen von 745 auf 957 Delikte (= 28,5 Prozent). Positiv zu erwähnen bleibt die hohe Aufklärungsquote von zum Teil deutlich über 90 Prozent.

 

Wiederum leicht angestiegen sind die Fallzahlen im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von 115 Fällen in 2008 auf nunmehr 123 Fälle. Anstiege der Fallzahlen bei Sexuellem Missbrauch (von 23 auf 42 Fälle = 82,6 Prozent) und exhibitionistischen Handlungen (von sieben auf 19 Fälle), stehen Rückgänge bei der Ausnutzung sexueller Neigungen (minus 17,2 Prozent auf 53 Fälle) und Verbreitung pornografischer Schriften (minus14,5 Prozent auf 53 Fälle) gegenüber.