Landrat besucht Arnold AG: Mit Flexibilität gut durch die Krise kommen
| 01.12.2009 16:28 |
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Hochtaunuskreis. Landrat Ulrich Krebs besuchte, gemeinsam mit Kreishandwerksmeister Walter Gernhard und Geschäftsführer Eberhard Haag, im Rahmen seiner monatlichen Unternehmensbesuche, die Arnold AG in Friedrichsdorf. Im Gespräch mit der Geschäftsführung und Bürgermeister Horst Burghardt konnte er sich ein Bild über die aktuelle Situation des größten metallverarbeitenden Betriebes im Kreis machen. Heute beschäftigt das Unternehmen in Friedrichsdorf gut 160 fest angestellte Mitarbeiter. Sie sind bislang dank einer vorausschauenden Strategie vergleichsweise glimpflich durch die Wirtschaftskrise gekommen.
"Wir hatten seit Februar 2009 Windstärke 8 und stehen aktuell bei Windstärke 6", fasst Uwe Arnold, Vorstandsvorsitzender der Arnold AG, Friedrichsdorf bei Frankfurt am Main mit Niederlassung im thüringischen Steinbach-Hallenberg, die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise zusammen. Als Indikatoren nennt er Marktdruck, Fertigungsauslastung, Preis- aber auch Termindruck. Wie auf hoher See sei das schon ein heftiger Sturm, bringe das Schiff aber noch nicht in Gefahr, zieht Arnold den nautischen Vergleich weiter.
Seit vielen Jahren laufen bei Arnold Programme, die der Flexibilisierung und der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit dienen. "Diese Maßnahmen haben geholfen, der Krise stand zu halten. Wir konnten uns von der Weitsicht und dem Verantwortungsbewusstsein der Geschäftsleitung überzeugen", so Landrat Ulrich Krebs nach seinem Besuch. So wurde in 2009 konsequent an geplanten Investitionen in die Infrastruktur und Produktivität in Friedrichsdorf festgehalten. 1,5 Millionen Euro flossen in Umbau, Renovierung und neue Technik, 50 Prozent mehr Fläche wurde geschaffen. "Wir haben unseren Stammsitz zur "Schnellen Fabrik" entwickelt, um schnell und effizient auf Kundenwünsche reagieren zu können. Arbeitsplätze mussten wir nicht abbauen, im Gegenteil, wir haben insgesamt 19 Mitarbeiter mehr im Unternehmen. Zudem sind wir stolz auf unsere knapp 10-prozentige Ausbildungsquote. Nun haben wir genügend Kapazität und Platz um gut ein Drittel für "terminkritische Aufträge" freizuhalten". Zusätzlich habe man gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern frühzeitig reagiert, um bei einer Verschärfung der Situation gewappnet zu sein, erklärt der 48-jährige Firmenchef: "Wir haben mit unseren Mitarbeitern Vereinbarungen über Zeitkonten getroffen, die es uns ermöglichen, sehr flexibel auf Kapazitätsschwankungen zu reagieren."
Außerdem liegen gemeinsam mit den Betriebsräten vereinbarte Beschlüsse in der Schublade, um im Orkan reagieren zu können. "Von diesen Instrumenten mussten wir bislang noch keinen Gebrauch machen, mittlerweile können wir die Auslastung wieder als gut bezeichnen", gibt sich Arnold verhalten optimistisch. Weitere Maßnahmen wie die flexible Nutzung der Mitarbeiterqualifikationen in Bereichen mit hoher Auslastung, die Nutzung der Möglichkeiten von Zeitarbeitsverträgen und auch gezielte Weiterqualifizierungen hülfen zusätzlich, die Krise zu meistern. Darüber hinaus haben auch die Eigentümer der Arnold AG, 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Familie Arnold, im Jahr 2009 das Kapital der Gesellschaft aus Eigenmitteln von 2,2 Mio. EUR auf 4.37 Mio. EUR fast verdoppelt. "Dies stärkt die Substanz und das Vertrauen in unser Unternehmen".
Allerdings sehen Uwe Arnold und sein Vorstandskollege Dieter Stemmer die Gefahr noch keineswegs als gebannt. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass es auch in Zukunft Zeiten mit ähnlichen konjunkturellen Kapriolen geben wird, wie wir sie in den letzten zwölf Monaten erlebt haben." Sie kritisieren in diesem Zusammenhang, dass die Politik bislang die "geschichtlich einmalige Chance verpasst" habe, solche Fehlentwicklungen in Zukunft nachhaltig zu verhindern. Beide rechnen im nächsten Jahr mit verschärftem Kostendruck durch die Kunden, anhaltender Verunsicherung der Menschen, steigender Arbeitslosenquote und nicht einschätzbaren Rohstoffmarktentwicklungen. Noch besser wappnen will man sich deshalb durch mehr Unabhängigkeit, Gewinnung neuer Kunden bzw. Aufträge bestehender Kunden und Konzentration auf die Stärken des Unternehmens. "Wir halten an unseren gesetzten Zielen auch in 2010 fest keinen Mitarbeiter aufgrund der Krise zu verlieren, trotzdem schwarze Zahlen zu schreiben und gestärkt daraus hervorzugehen", sagt Uwe Arnold.
High-end-Anbieter für Industrie und Bau
"Gute Qualität erwächst nur aus echter Leidenschaft", lautet das Unternehmensmotto. In Sachen Metallbe- und -verarbeitung positioniert sich die Arnold AG entsprechend als High-End-Anbieter mit hohem Qualitätsanspruch. Die breite Angebotspalette gliedert sich in die zwei Geschäftsbereiche 'Industrieservice' und 'Designbauteile', die im vergangenen Jahr jeweils die Hälfte zum Gesamtumsatz von 48 Mio. Euro beitrugen. "Wir konnten uns ein eindrucksvolles Bild von der Produktpalette und der Qualität der Arbeit der Firma machen. Der Hochtaunuskreis kann stolz sein, ein so innovatives und erfolgreiches Unternehmen am Standort zu wissen", so Krebs. Der 'Industrieservice' entwickelt, konstruiert und fertigt hochwertige mechanische Baugruppen und Komponenten aus Metall. Das Unternehmen liefert Gehäuse, Verkleidungen, Laser- und Stanzteile an Hersteller von medizinisch-technischen Geräten und Sicherheitstechnik sowie der feinmechanischen und optischen Industrie, des Maschinenbaus und von Schienenfahrzeugen.
Im Geschäftsbereich 'Designbauteile' plant, produziert und montiert Arnold metallische Sonderkonstruktionen, bei denen es besonders auf Qualität, Zuverlässigkeit und Werthaltigkeit ankommt. Treppen, Geländer, Wand- und Deckenverkleidungen, Licht- und Akustikdecken sowie Counter, bilden das Portfolio, ergänzt durch das Beschilderungssystem 'Arnosign'. Ein Spezialgebiet ist die Umsetzung metallischer Kunstwerke.
Die Arnold AG investiert bewusst in moderne Fertigungstechnologien. Die Palette reicht von konventionellen sowie CNC-gesteuerten Werkzeugmaschinen und Anlagen bis zu hochmodernen Biegemaschinen, Laserschneid- und Schweißanlagen. An beiden Standorten stehen moderne Lackieranlagen zur Verfügung. Arnold fertigt Prototypen, Einzelaufträge und Serien bis zu 1000 Stück pro Woche. Als Systemlieferant stellt das Unternehmen auch komplette Baugruppen her und liefert kundeneigene Produkte.
Vor 85 Jahren gründete Schlossermeister Karl Arnold in Frankfurt am Main seinen Betrieb. Den Schritt in Richtung industrielle Zulieferung vollzog sein Sohn Rolf Arnold 1961, als die Firma ins Frankfurter Umland nach Friedrichsdorf zog. Nach der Wiedervereinigung gründeten Rolf und sein Sohn Uwe Arnold gemeinsam mit der Familie Diller im thüringischen Steinbach-Hallenberg die Arnold-Diller GmbH. Im Jahre 2002 wurden die Unternehmen vereint und in die Rechtsform einer AG überführt. Die Aktien der Firma befinden sich in Familien- und Mitarbeiterbesitz. Immerhin gut ein Fünftel der gesamten Belegschaft besitzt Anteile am Unternehmen. |






