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| 16.06.2010 11:48 |
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Hochtaunuskreis. Mit großer Freude konnten Landrat Ulrich Krebs und der Hessische Landesarchäologe Prof. Dr. Egon Schallmayer einer Schülergruppe der Frankfurt International School (FIS) am Kleinkastell "Altes Jagdhaus" die Patenschaftsurkunde für den Oberurseler Limesabschnitt übergeben. Innerhalb eines Projektes unter Leitung von Dr. Henrik Langelüddeke beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler schon lange mit dem Limes und seinen Kastellen und Turmstellen. "Dass sich die Frankfurt International School hier so aktiv einbringt, zeigt die große identitätsstiftende Bedeutung, die der Limes für unsere Region hat. Eine Bedeutung, die mit der Ernennung zum Weltkulturerbe vor fünf Jahren deutlich sichtbar geworden ist", so der Landrat.
Krebs lobte das Engagement der Schule: "Sie hat sich viel vorgenommen: Die Schülerinnen und Schüler der FIS wollen sich nicht nur um ein einzelnes Denkmal kümmern, sondern um die gesamte Oberurseler Limesstrecke", berichtet Krebs. Die Oberurseler Limesstrecke ist rund 3,2 Kilometer lang, beginnt unterhalb des Großen Feldbergs und verläuft über den Sandplacken bis zur Gemarkungsgrenze Bad Homburg. Auf dieser Limesstrecke befinden sich neben dem Kleinkastell "Altes Jagdhaus" noch insgesamt sieben Turmstellen. Eine davon, die Turmstelle "Teufelsquartier" unterhalb des Feldberggipfels, war der mit 820 m höchstgelegene Wachtturm am Limes überhaupt. "Die Schülerinnen und Schüler tragen mit Hinweisschildern dazu bei, dass die teilweise etwas abseits des Weges im Wald versteckten Turmstellen leichter auffindbar sind", berichtet Krebs. "Durch dieses Engagement wird der Limes ein erlebbarer Pfad, ganz in unserem Sinne. Das Kastell ist bereits saniert, bis 2012 werden auch die Turmstellen folgen", kündigte Krebs an.
Auch der Hessische Landesarchäologe Prof. Dr. Egon Schallmayer zeigte sich hocherfreut über das Engagement der FIS: "Mit den Limespatenschaften, die von Schulen über ein Stück des Limes oder eine Wachtturmstelle übernommen werden, helfen die Schüler, das UNESCO-Welterbe zu schützen. Bei all diesen Tätigkeiten finden aktive Begegnungen und der unmittelbare Kontakt mit den archäologischen Denkmälern statt. Diese direkte Auseinandersetzung mit einem archäologischen Denkmal hilft, die Sensibilität für Bodendenkmäler zu schärfen, ihren Wert zu erkennen und zu erhalten. Denn man kann nur schützen und bewahren, was man kennt. Und diese Erkenntnis tragen die Schüler auch in ihr persönliches Umfeld, in ihre Familien weiter, und fördern damit das Verständnis für die Belange der Denkmalpflege. Zudem trägt die Beschäftigung mit dem Limes, der ehemaligen römischen Grenze, an der sich in der Antike Menschen aus den verschiedensten Provinzen des römischen Reiches getroffen haben und an deren Durchgänge lebhafter Kontakt mit den Kulturen außerhalb des Römischen Reiches stattgefunden hat, auch zur Förderung des interkulturellen Dialoges und der interkulturellen Begegnungen heute bei, und davon profitieren wir alle."
Mit der Übergabe der Patenschaftsurkunde dankte der Landrat der Schülergruppe und ihrem Lehrer Dr. Langelüddecke: "Ich freue mich, dass sich gerade Schülerinnen und Schüler, die zum Teil nur für wenige Jahre in Deutschland sind, für ein Projekt vor Ort einsetzen. Aber hier wird deutlich, dass der Limes als Grenze des Römischen Reiches ein internationales Projekt in jeder Hinsicht ist. Er ist ein Denkmal, das in der ganzen Welt bekannt ist. Und so hoffe ich, dass die jungen Limes-Paten von ihrem Engagement auf lange Sicht hinaus profitieren, ganz gleich, ob hier oder anderswo."
Die Patenschaft der Frankfurt International School ist die zweite Limespatenschaft im Hochtaunuskreis. Seit 2007 trägt die Hans-Christian-Andersen-Schule in Glashütten bereits eine Patenschaft für das dortige Kleinkastell "Maisel".
Kleinkastell "Altes Jagdhaus" Das im 2. Jahrhundert entstandene Kastell wurde bereits 1893 ausgegraben. Seine Aufgabe war es, die Passstraße über den Sandplacken zu sichern. Die dafür notwendige Besatzung - 20 bis 30 Mann, die in Holzbaracken im Inneren untergebracht waren - wurde wahrscheinlich von der Truppe des nahegelegenen Kastells am Kleinen Feldberg gestellt. Sein Mauerwerk besteht aus Quarzitbruchsteinen, die ohne Mörtel binderartig und meist unter Einhaltung von durchlaufenden Schichten aufgemauert wurden. Der Eingang befindet sich auf der dem Limes zugewandten Seite und ist 3,30 m breit. Besonders interessant ist die Innenfläche des Kastells, hier finden sich Grundmauern eines Jagdhauses aus dem 16. Jahrhundert. Vermutlich stand dieses Jagdhaus in Zusammenhang mit der Hohen Mark, einer mittelalterlichen Genossenschaft zur Waldnutzung im Taunus, an deren Spitze als "Obermärker" der Landgraf von Hessen-Homburg als "Waltbote" stand. Der Hauptraum des Jagdhauses war ursprünglich mit Steinplatten gepflastert, hatte einen Kamin und in den Ecken eingemauerte Sitzplätze. Unter dem Nebenraum war ein Vorratskeller in den Boden eingetieft. Eine Informationstafel am Kastell berichtet über diese Geschichte.
Bei den notwendigen Restaurierungsmaßnahmen, die 2009 stattfanden, wurde zunächst das Baufeld freigemacht. Anschließend wurde der Umfassungswall hergerichtet und die größeren Vertiefungen in der Innenfläche des Kastells verfüllt. Zudem sind die Mauerreste des Jagdhauses gesichert und ihr Verlauf sichtbar gemacht worden.
Der Hochtaunuskreis hatte für die Sanierung einen einmaligen Zuschuss von 60.000 Euro zur Verfügung gestellt. |
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