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Restaurierung der Keltenfunde abgeschlossen; in Aschaffenburg erstmals zu sehen


14.05.2010 11:32

Hochtaunuskreis. Die Restaurierung der Keltenfunde aus dem Oberurseler Stadtteil Bommersheim, die 2007 im Zuge des Neubaus der Burgwiesenschule gefunden wurden, ist abgeschlossen. Bevor die Ausgrabungsfunde jedoch in den Hochtaunuskreis zurückkehren, sind sie vom 15. Mai bis 12. September 2010 in der großen Ausstellung "KeltenLAND am Fluss - Die Kelten im Rhein-Maingebiet" im Schlossmuseum Aschaffenburg zu sehen.

"Danach sollen sie ihren endgültigen Platz im Vortaunusmuseum in Oberursel finden", berichten Landrat Ulrich Krebs und Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum.

 

Am Fundort, der Burgwiesenschule in Bommersheim, wird eine "Geschichtsecke" eingerichtet. In einer Vitrine und mit Schautafeln soll so an die historische Bedeutung des Ortes erinnert werden. "Es ist uns ein besonderes Anliegen, den Schülerinnen und Schülern anschaulich die historische Bedeutung des Ortes zu vermitteln, an dem sie zur Schule gehen - angefangen bei den keltischen Funden bis hin zur mittelalterlichen Burg, von der heute nur noch wenige Reste erhalten sind", so Landrat Ulrich Krebs.

 

Bürgermeister Hans-Georg Brum: "Die Gestaltung der "Geschichtsecke" für die Burgwiesenschule wird im Moment von den Mitarbeiterinnen des Vortaunusmuseums geplant, außerdem wird auch die Abteilung "Kelten"  im Vortaunusmuseum neu konzipiert und umgestaltet. Hierfür geben Stadt und Hessischer Museumsverband je 20.000 Euro. Wir freuen uns sehr, dass das Vortaunusmuseum in seiner neuen Ausstellung auch die aufwändig restaurierten Keltenfunde aus Bommersheim - ein wissenschaftlich äußerst beeindruckender, keltischer Grabfund - präsentieren wird. Zum Hessentag 2011 wird die neue Ausstellung im Vortaunusmuseum zu sehen sein!"

 

Kreis und Stadt haben die Kosten von 37.500 Euro für die Restaurierung übernommen. Die Funde wurden in der Archäologischen Restaurierungswerkstatt der Hessischen Landesarchäologie aufwändig gereinigt und gesichert.

Im Zuge des Neubaus sollten mit den Grabungen Erkenntnisse über die als Raubritterburg verrufene, 1382 durch Truppen der Stadt Frankfurt zerstörte mittelalterliche Anlage in Bommersheim, gewonnen werden.

Zur großen Überraschung der Grabungsmannschaft der Hessischen Landesarchäologie wurden zwischen den mittelalterlichen Gräben der Burganlage mehrere keltenzeitliche Bestattungen angetroffen.

 

Die Hessische Landesarchäologie fasst ihre Erkenntnisse wie folgt zusammen:

Unter den Bestatteten befand sich auch eine offensichtlich höher gestellte Persönlichkeit, der Schmuck und Waffen mit ins Grab gegeben worden waren. Obschon diese Art von Bestattungen nicht mit einem so genannten Fürstengrab, wie beispielsweise dem vom Glauberg gleichgesetzt werden kann, heben sich diese aufgrund ihrer Beigaben dennoch deutlich von der Masse der einfachen Bestattungen dieser Zeit ab. So wurden der Person ein Halsring, ein bronzenen Fingerring sowie eine Lanze und ein Schild mit eisernem Schildbuckel und ein ebensolchen Schildfessel mit ins Grab gegeben.

Aufgrund des Halsringes mit sehr zierlichen Enden gehört der Verstorbene in die beginnende Frühlatènezeit und damit in die Zeit um 450 v. Chr.. Er verstarb damit wenige Jahre vor dem Fürsten vom Glauberg. In dieser Periode hat man äußerst selten Schilde mit eisernen Schildbuckeln in die Gräber mitgegeben. Aus Mitteleuropa kennen wir nur wenige Bestattungen mit eisernen Schildbuckeln. In Deutschland sind bisher nur drei zeitgleiche Fundstücke bekannt geworden. Bezeichnenderweise stammt eines dieser Exemplare aus dem vorstehend erwähnten Fürstengrab vom Glauberg.

Darüber hinaus wirft die Bestattung jedoch auch Fragen auf. Der Tote aus Bommersheim verfügt einerseits über einen seltenen Schild mit eisernem Schildbuckel und trug einen Halsring, eine bei Männern ungewöhnliche und fast nur aus prunkvoll ausgestatteten Männergräbern bekannte Beigabe, andererseits fehlen aber kostbare Beigaben wie etwa Goldobjekte oder metallenes Geschirr aus Bronze. Des Weiteren erfolgte die Beisetzung - soweit dies noch zu rekonstruieren war - in einer "normalen" Nekropole. Daher stellt sich die Frage, wie der Tote aus Oberursel-Bommersheim einzuordnen ist.

 

Nach Ansicht der Wissenschaftler der Hessischen Landesarchäologie schließt der Grabfund von Oberursel-Bommersheim eine bisher bestehende chronologische Lücke. Seine Besonderheiten legen nahe, dass hier ein Vertreter, der sich im Rhein-Main-Gebiet formierenden eisenzeitlichen Elite bestattet wurde, die sich wenig später in monumentalen Grabanlagen mit kostbaren Beigaben beerdigen ließ.