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Weidehaltung im Winter stärkt gesunde Tiere


16.12.2008 11:15

 

Hochtaunuskreis. Gerade in der Winterzeit stellen sich viele Bürgerinnen und Bürger die Frage, ob die Weidehaltung von Rindern, Pferden und Schafen in den kalten Monaten tierschutzgerecht ist. "Grundsätzlich ist eine Haltung von Nutztieren ganzjährig auf der Weide möglich. Selbstverständlich müssen Tiere auch im Winter auf der Koppel oder Weide ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten und untergebracht werden", erklärt Landrat Krebs, in dessen Verantwortungsbereich das Veterinärsamt des Kreises liegt. "Werden die Tiere nicht tierschutzgerecht im Freien gehalten, ist der Fachbereich für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Hochtaunuskreises gehalten, vorgefundene Missstände abzustellen und tierschutzwidriges Handeln zu ahnden", so der Landrat weiter.

 

"Da sich Klimareize positiv auf das Wohlbefinden, die Gesundheit, die Widerstandskraft und die Leistungsfähigkeit auswirken, befürworten wir die ganzjährige art- und verhaltensgerechte Haltung von Tieren im Freien", weiß die Leiterin des Fachbereichs für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Hochtaunuskreises, Dr. Britt Friebertshäuser. Gemeinsam mit der ebenfalls für den Tierschutz zuständigen Amtstierärztin Eva Brühl steht Dr. Friebertshäuser bei Fragen zur Freilandhaltung unter der Telefonnummer 06081-918390 zur Verfügung.

 

"Der verantwortungsvolle Tierhalter kennt die Bedürfnisse der Tierart und richtet die Winterweide für seine Tiere entsprechend aus", erläutert Dr. Friebertshäuser.

So müssten Tiere, die ganzjährig im Freien gehalten werden, gesund sein. Verletzte oder kranke Tiere sind häufig in ihrem Bewegungsverhalten eingeschränkt und können dadurch gar nicht oder nur mit erheblicher Mühe, den wichtigen Witterungsschutz aufsuchen.

 

In der Herde oder Gruppe auf der Weide wirkten sich der größere Bewegungsraum, die stärkeren Klimareize, das ungefilterte Sonnenlicht sowie die Befriedigung des Sozial- und Erkundungsverhaltens fördernd auf die gesunde Entwicklung der Tiere aus. Somit sei die ganzjährige Haltung von Nutztieren im Freien grundsätzlich die artgerechteste Form der Tierhaltung.

 

Pferde, Rinder und auch Schafe sind warmblütige Tiere und verfügen über Regulationsmechanismen um ihre Körpertemperatur konstant zu halten. Diese Mechanismen sind aber auch von den klimatischen Bedingungen abhängig. Im Bereich der so genannten thermisch neutralen Zone - auch Komfort- und Behaglichkeitszone genannt - müssen die Tiere keine Energie aufwenden, um die Körpertemperatur nach oben oder unten zu regulieren. Sowohl Pferde als auch Rinder und Schafe können sich dadurch einem weiten Temperaturbereich schadlos anpassen. So stellen Temperaturen von bis zu -15 °C für die Tiere kein Problem dar. Das Behaglichkeitsempfinden der Tiere entspricht also keinesfalls dem des Menschen und darf nicht mit den Bedürfnissen des Menschen verwechselt werden. Die Behaglichkeitstemperatur des Menschen liegt bei ca. 20 °C (bekleidet) bzw. bei 30 °C (unbekleidet).

 

"Es ist wichtig, dass Tiere im Herbst die Möglichkeit erhalten sich allmählich an die niedrigeren Außentemperaturen zu gewöhnen. Nur so kann ein dichtes und langes Winterfell ausgebildet werden. Wenn schneebedeckte Rinder, Pferde oder Schafe in der Weide stehen oder liegen, ist gerade dies ein Beweis dafür, dass die Bemuskelung gut ist, sich Unterhautfett und Unterhaar in Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit gebildet haben und somit die Wärmeisolierung funktioniert. Anderenfalls würde der Schnee auf dem Rücken der Tiere schmelzen", erklärt Tierärztin Friebertshäuser.

 

Berücksichtigt werden müsse aber, dass der natürliche Bewuchs der Weideflächen in den Wintermonaten als Nahrungsgrundlage für die Tiere nicht mehr ausreicht. Zur Deckung des erhöhten Energiebedarfes seien eine artgemäße und ausreichende Zufütterung mit Grobfutter (Heu, Silage), zusätzliche Gaben von Vitaminen, Mineralstoffen und je nach Witterung von Konzentraten wichtig.

Ebenso müsse den Weidetieren jederzeit bei allen Temperaturen Wasser in ausreichender Qualität und Menge zur Verfügung stehen. Um dies sicherzustellen, seien funktionsfähige und für alle Tiere erreichbare Tränkeinrichtungen dringend erforderlich.

 

"Der aufmerksame Beobachter wird feststellen, dass auch ordentliche Schutzeinrichtungen von den Tieren eher selten aufgesucht werden. Trotzdem ist der Tierhalter verpflichtet seinen Tieren ausreichenden Schutz vor widrigen Witterungseinflüssen zu bieten", lässt Dr. Friebertshäuser wissen. Dieser Schutz könne natürlicher (Hecken, Büsche, Wald, Senken) oder künstlicher (eingestreute trockene Flächen, Windschutzwände, Unterstände) Art sein. Voraussetzung sei, dass die Schutzfunktion unter den gegebenen Umständen erfüllt werde. So seien Laubbäume in der kalten Jahreszeit bei lang andauernden Niederschlägen ungeeignet. Der den Tieren zur Verfügung stehende Platz solle so bemessen sein, dass alle Tiere, auch die rangniederen, gleichzeitig einen trockenen, windgeschützten Unterstand aufsuchen können.


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