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Workshop „Notfallmanagement in öffentlichen Archiven Hessens“


22.04.2010 13:24

Hochtaunuskreis. Geschützt durch Ganzkörperanzüge, Mundschutz und Handschuhe, bewaffnet mit Stretchfolie, Papiertüchern, Stift und Notizblock werden in Zukunft die Kommunalarchivarinnen und Kommunalarchivare des Landes Hessen, beispielsweise nach einem Brand oder Wasserrohrbruch, gegen den Verlust oder die Beschädigung der unwiederbringlichen schriftlichen Kulturgüter ankämpfen.

Das Kreisarchiv des Hochtaunuskreises besitzt seit November 2009 ein Notfallboxenset, auf das die im "Notfallverbund Archivwesen für den Hochtaunuskreis"* zusammengeschlossenen Archive Zugriff haben. Um den Umgang mit dem Inhalt zu üben und einen Notfall organisatorisch bewältigen zu können, fand am 21. April in Wiesbaden ein Workshop des Hessischen Hauptstaatsarchivs und der Archivberatungsstelle Hessen in Kooperation mit dem Kreisarchiv Hochtaunuskreis zum Thema "Notfallmanagement in öffentlichen Archiven Hessens" statt.

 

"Auch wenn Katastrophen nicht verhindert werden können, so können doch durch eine entsprechende Vorbereitung Schäden in Grenzen gehalten werden", so Landrat Ulrich Krebs zur Bedeutung der Veranstaltung.

Das Jahr 1997 mit dem Hochwasser an der Oder, das Elbehochwasser von 2002 mit seinen Schäden an den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden und vor allem das Jahr 2004 mit der Brandkatastrophe in der Herzogin-Anna-Amalia Bibliothek haben deutlich gezeigt, wie gefährdet das historische und kulturelle Erbe im Katastrophenfall ist. Nicht zuletzt der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln lehre, wie wichtig es ist, rechtzeitig technische Vorkehrungen und organisatorische Maßnahmen zu treffen.

 

Ziel des Workshops war es, den Teilnehmern grundlegende Kenntnisse zum Thema Notfallplanung und -organisation in Archiven zu vermitteln und eine schnelle und sachkundige Handhabung mit geschädigtem oder gefährdetem Kulturgut aufzuzeigen.

Nach einer Darstellung der rechtlichen und organisatorischen Grundlagen der Notfallbewältigung durch Dr. Johann Zilien aus dem Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden erläuterte Maria Kobold, Kreisarchiv Hochtaunuskreis, die einzelnen Phasen der Konzeption eines Notfallplans als Vorbereitung für den Ernstfall.

 

Dr. Lars Adler, Leiter der Archivberatungsstelle Hessen, gab im Anschluss daran einen ersten Überblick zum Thema "Notfallboxen" und aufschlussreiche Hinweise auf Materialien, die für einen solchen Ernstfall vorgehalten werden müssen, um die historisch wertvollen Unterlagen aus den Archiven und Bibliotheken sicherzustellen. Auch Reinhold Sand, Firma GSA-Produkte, der als Chefrestaurator des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe schon früh das Problem der Zusammenstellung der vielfältigen Schutzmaterialien anging, wies auf die Erarbeitung und Entstehung einer Notfallbox hin. Bestehend aus vier Einheiten, beinhaltet diese neben diversen Schutzausrüstungen auch Materialien zur Verpackung geschädigter Schriftstücke und zur Dokumentation des Schadensfalls. Zum Abschluss der Veranstaltung verdeutlichte Britta Kronenburg aus dem Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden dem interessierten Publikum sehr anschaulich den praktischen Umgang mit den Materialien.

 

 

* die hauptamtlich besetzten Stadtarchive der Städte Bad Homburg, Königstein, Kronberg und Oberursel gehören neben dem Hochtaunuskreis dem "Notfallverbund Archivwesen für den Hochtaunuskreis" an.