Modellregion "inklusive Bildung im Hochtaunuskreis"

A - Kooperationsvertrag

Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf Bildung.

Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewehrleisten das Land und der Schulträger ein inklusives Bildungssystem mit den Zielen,

  •  die menschlichen Möglichkeiten sowie das Bewusstsein der Würde und das Selbstwertgefühl des Menschen voll zur Entfaltung zu bringen und die Achtund vor den Menschenrechten, den Grundfreiheieten und der menschlichen Vielfalt zu stärken,
  • Menschen mit Behinderungen ihre Persönlichkeit, ihre Begarbungen und ihre Kreativität sowie ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten voll zur Entfaltung bringen zu lassen und
  • Menschen mit Behinderungen zur wirksamen Partizipation an der freien Gesellschaft zu befähigen.

Zur Verwirklichung dieser Ziele stellen das Land und der Schulträger Schritt für Schritt sicher, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderungen aufgrung ihrer Behinderung weder vom Grundschulunterricht noch vom Besuch weiterführender allgemeiner Schulen ausgeschlossen sind, sondern Zugang zum inklusiven Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen gleichberechtigt mit anderen in der Gemeinschaft, in der sie leben, haben und dass ihnen innerhalb des allgemeinen Bildungssystems die notwendige Unterstützung geleistet wird, um ihre wirksame Bildung zu ermöglichen.

Die inklusive Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen findet daher als Regelform in der allgemeinen Schule gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen ohne Behinderung statt. Die allgemeine Schule arbeitet dabei eng mit Beratungs- und Förderzentren zusammen.

Um diese Ziele für den Bereich des Schulträgers zu verfolgen und so das Recht der Menschen mit Behinderung auf Bildung zu gewährleisten, schließen das Land und der Schulträger die folgende Vereinbarung.

(Präambel der Kooperationsvereinbarung vom 18.9.2013)

In der Kooperationsvereinbarung werden die Maßnahmen, Bedingungen und Leistungen der beiden Partner - auf der einen Seite als Schulträger der Hochtaunuskreis, auf der anderen Seite das hessische Kultusministerium vertreten durch das Staatliche Schulamt für den Hochtaunuskreis und den Wetteraukreis - im Rahmen der Modellregion Inklusive Bildung beschrieben.

Schulträger (Hochtaunuskreis)

Der Schulträger verpflichtet sich, all seine Schulen zukünftig barrierefrei und die Schwerpunktschulen nach den Bedürfnissen der erforderlichen Förderschwerpunkte baulich herzurichten und auszustatten. Seit dem Jahr 2000 wird im Hochtaunuskreis die Schulbauinitiative "Schulen für das 21. Jahrhundert" durchgeführt. In diesem Rahmen hat der Kreis bereits die meisten seiner Schulen saniert oder neu errichtet und dabei die Barrierefreiheit bereits größtenteils umsetzen können. Drüber hinaus soll in Usingen ein Schulneubau entstehen. Eine Haupt- und Realschule (Konrad-Lorenz-Schule) und eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen (Heinrich-Kielhorn-Schule) sollen unter einem Dach zusammen ein neues Gebäude erhalten (Campusdenken). Mit der Förderschule ist auch das Beratungs- und Förderzentrum (Rebus) für die Förderschwerpunkte sozial/emotionale Entwiklung, Lernen und Sprachheilförderung verbunden.

Zudem wurde die Konrad-Lorenz-Schule als Schwerpunktschule für die Förderschwerpunkte Sehen und Hören benannt. Dafür sollen die entsprechenden DIN Normen beim Neubau beachtet und somit optimale Bedingungen für die Lernbedürfnisse dieser Schülergruppen geschaffen werden. Die Neubaumaßnahme ist bereits fertig geplant und die ersten Bauarbeiten sind bereits angelaufen. Die beiden Schulen sollen im Schuljahr 2016/2017 das neue Gebäude in Betrieb nehemn.

Auch in Bad Homburg vor der Höhe soll ein Schulneubau entstehen und zwei Schulformen miteinander verbinden. So wurde mit dem Schulentwicklungsplan 2012 "Schulen für das 21. Jahrhundert" die Pestalozzischule als Förderschule für den Förderschwerpunkt Sprachheilförderung zu einer zweizügigen Grundschule mit einem Förderschulzweig für den Förderschwerpunkt Sprachheilförderung umorganisiert. Diese neue Schulform soll mit dem Schuljahr 2015/2016 beginnen. Hierfür soll bis zum Jahr 2018 ein kompletter Schulneubau mit einem viergruppigen Betreuungszentrum, Mensa und einer Sporthalle neu errichtet werden.

Die beiden oben beschriebenen Maßnahmen verfolgen ein weiteres Ziel. Stationäre Systeme (insbesondere Förderschulen Lernen) sollen abgebaut und somit die Schülerinnen und Schüler in die Regelschulen inkludiert werden. Konkret bedeutet dies, dass in der Heinrich-Kielhorn-Schule bereits seit diesem Schuljahr die Grundstufe des Förderschwerpunkts Lernen abgebaut wird und keine Neuaufnahmen erfolgen. In der Petalozzischule wurde das Angebot für den Förderschwerpunkt Lernen bereits komplett abgebaut und das Angebot für den Förderschwerpunkt Sprachheilförderung auf die Grund- und Mittelstufe begrenzt. Dies bedeutet, dass die Hauptstufe der Sprachheilförderung abgebaut und die Schülerinnen und Schüler an die Regelschulen zurückgeschult wurden. Diese strukturellen und massiven Veränderungen der Förderschullandschaft im Hochtaunuskreis bedingen allerdings auch finanzielle bzw. personelle Ressourcenbereitstellung durch das Land Hessen. Hierauf kommen wir bei den Aufgaben und Pflichten des Landes zurück.

Der Hochtaunuskreis als Schulträger stellt neben den oben genannten baulichen Maßnahmen jährlich ein Schmittelbudget in Höhe von 40.000,00€ zur Verfügung. Aus diesem Budget können Sachaustattung, Materialien und kleinere Investitionen im Rahmen der Modellregion Inklusive Bildung im Hochtaunuskreis beschafft und getätigt werden. Auch stehen in diesem Budget Mittel für Projekte und gemeinsame Veranstaltungen beider Partner zur Verfügung. Als Beispiel darf hier der Aktionstag Inklusive Bildung am 22.5.2014 im Bürgerhaus Kirdorf (Bad Homburg vor der Höhe) erwähnt werden.

Auch personelle Ressourcen (sozialpädagogische Fachkräfte) werden im Rahmen der Kooperation vom Schulträger bereitgestellt, die zur Unterstützung im inklusiven Unterricht von kindern und Jugendlichen mitoder ohne Beeinträchtigung eingesetzt werden. Im Schuljahr 2013/2014 wurden eigens hierfür drei neue Stellen geschaffen. Es wird darüber hinaus angestrebt, im Schuljahr 2014/2015 weitere drei Stellen einzurichten und in den Folgejahren bedarfsorientiert weitere Hilfsangebote zu schaffen. Ziel hierbei soll sein, die Anzahl der sozialpädagogischen Fachkräfte kontinuierlich zu steigern und zwar parallel im Verhältnis von einer sozialpädagogischen Fachkraft zu zwei Förderschullehrkräften, die dezentral an den Regelschulen für den inklusiven Unterricht eingesetzt werden.

Land Hessen (Hessisches Kultusministerium vertreten durch das Staatliche Schulamt)

Das Land bekräftigt sein Ziel, die Versorgung der Schulen des Schulträgers mit sozialpädagogischen Lehrkräften im Zuge des schrittweisen Ausbaus des inklusiven Unterrichts auf dem bestehenden Qualitätsniveau zu erhalten. Daher beabsichtigt es, die Zahl der Stellen für sozialpädagogische Lehrkräfte im Förderschwerpunkt Lernen an den Schulen des Schulträgers bis zum Ende des Schuljahres 2017/2018 konstant zu halten, sofern die Anzahl der Schülerinnen und Schüler an allgemein bildenden Schulen im Gebiet des Schulträgers insgesamt im Wesentlichen gleich bleibt.

Um diese Ziele zu erreichen wird das Land vom Schuljahr 2013/2014 bis zum Ende des Schuljahrs 2017/2018 ebenso viele Stellen für Lehrkräfte, wie sie in der Grundunterrichtsversorgung im Förderschwerpunkt Lernen an den Förderschulen des Schulträgers nicht mehr benötigt werden, zur Stärkung und zum Ausbau des inklusiven Unterrichts im Gebiet des Schulträgers einsetzen.

Es wird angestrebt bis einschließlich 2017/2018 insgesamt rechnerisch 17 Lehrerstellen von den bestehenden Förderschulen (Pestalozzischule, Heinrich-Kielhorn-Schule, Hans-Thoma-Schule) zur Stärkung und zum weiteren Ausbau des inklusiven Unterrichts im Gebiet des Schulträgers umzulenken. Weiterhin bleiben die Leiter-, Leitungs- und Schuldeputate der Heinrich-Kielhorn-Schule in Höhe von 1,3 Stellen erhalten. Die Lehrerstelle der Heinrich-Kielhorn-Schule für den Ganztagesbereich (Profil 1) verbleibt im Schulträgerbereich zur Verwendung für die Ausstattung der Ganztagesschulen. Die Umlenkung der Lehrerstellen in den inklusiven Unterricht an den Regelschulen findet jeweils zum Schuljahreswechsel statt. Grundlage für die Stellenzahl sind die frei werdenden Lehrerstellen im vorangegangenen Schuljahr an der stationären Förderschule.

Darüber hinaus werden zahlreiche Weiterbildungs- und Seminarangebote für Lehrkräfte an den Regelschulen angeboten und unter der Leitung der Lehrkräfteakademie durchgeführt. Im Rahmen von Aktionstagen, Workshops, Diskussionsrunden und regelmäßigem Erfahrungsaustausch sollen die Lehrerinnen und Lehrer an den Regelschulen weitergebildet und motiviert werden, die speziellen Anforderungen für die Unterrichtung von förderbedürftigen Schülerinnen und Schülern in der Regelschule zu erwerben.

Das Land evaluiert vertreten durch das Staatliche Schulamt die Ergebnisse der Modellregion halbjährlich. Die Berichte fließen in das Steuerungsorgan, die sogenannte Spiegelgruppe, ein, in der Vertreterinnen und Vertreter beider Kooperationspartner die Ziele der Modellregion überwachen und gegebenenfalls die einzelnen Maßnahmen verändern bzw. zu etablieren.

 

Konzept Modellregion HTK

Kooperationsvereinbarung vom 18.9.2013

 

Modellregion Inklusive Bildung - Kooperationsstelle

 

 

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