Doppelhaushalt 2026/2027: Auf Kante genäht
Der Hessische Landkreistag bezeichnet die Haushaltslage der hessischen Landkreise als alarmierend. Die angespannte Wirtschaftslage bei gleichzeitig massiv steigenden Ausgaben lässt einen ausgeglichenen Haushalt in weite Ferne rücken. Das zeigt auch der nun von Landrat Ulrich Krebs vorgelegte Doppelhaushalt 2026/2027.
War die Haushaltslage des Hochtaunuskreises bereits im vergangenen Jahr schwierig, so hat sich die Situation im laufenden Jahr weiter verschärft. Das Haushaltsjahr 2024 schloss mit einem Fehlbedarf von 16,6 Millionen Euro ab. Für 2025 wird ein Defizit von 11,3 Millionen Euro erwartet, geplant waren ursprünglich 12,4 Millionen Euro. Dieses Minus kann nur durch Rücklagen ausgeglichen werden.
Dennoch soll an den Leitlinien der vergangenen Jahre festgehalten werden. Ein Schwerpunkt bleibt das Schulbauprogramm. Nachdem bereits 2024 die Milliardenmarke überschritten wurde, sollen 2025 weitere knapp
50 Millionen Euro investiert werden. Für die Jahre 2026 bis 2029 sind zusätzliche 182 Millionen Euro vorgesehen.
Das größte Einzelprojekt ist dabei die Gesamtschule am Gluckenstein mit Gesamtkosten von rund 75,6 Millionen Euro. „Hier ist es uns gelungen, beim Regierungspräsidium (RP) in Darmstadt eine Einzelgenehmigung für dieses Großprojekt zu erzielen. Damit kann der lange versprochene Neubau der Schule endlich angegangen werden. Es muss allerdings festgestellt werden, dass dieses Projekt eine große Herausforderung und Kraftanstrengung bedeutet, die Auswirkungen auf den finanziellen Gestaltungsspielraum bei künftigen Schulbauten haben wird“, so Landrat Krebs. Bei der Umsetzung des GaG-Neubaus setze man auch auf Unterstützung der Stadt Bad Homburg bei der Auslagerung der Schule während der Bauzeit.
Wie groß diese Kraftanstrengung ist, verdeutlich der Blick auf die weiteren Kennzahlen des vorgelegten Haushaltsentwurfs. „Wenn sich der Zuschussbedarf im Produktbereich Soziales seit 2018 um 67 Prozent und in der Jugendhilfe sogar um 68 Prozent erhöht, wird deutlich, dass wir uns an der Grenze der finanziellen Belastbarkeit befinden“, erklärt Landrat Ulrich Krebs. Und: ein Ende dieser Entwicklung sei nicht in Sicht. So wird für das Jahr 2029 im Sozialbereich ein Zuschussbedarf von 94 Millionen Euro prognostiziert, 2018 lag dieser noch bei 45,4 Millionen Euro. „Das sind Steigerungen, die sich nicht mehr durch Einnahmen kompensieren lassen“, so Krebs.
Mit diesen Herausforderungen steht der Hochtaunuskreis nicht allein: Fast alle hessischen Landkreise kämpfen mit ähnlichen Problemen. Die Landesregierung hat deshalb erneut die Möglichkeit geschaffen, die Tilgung der Hessenkasse auszusetzen und eine pauschale Kürzung bei den Aufwendungen und Auszahlungen aus laufender Verwaltungstätigkeit um bis zu zwei Prozent ermöglicht.
Diese Möglichkeiten wird der Hochtaunuskreis voraussichtlich aufgreifen. Bereits angekündigt ist die Erhöhung der Kreis- und Schulumlage um einen Punkt auf 57,11 Prozent. Dennoch weist der vorgelegte Haushaltsentwurf 2026/2027 ein deutliches Defizit aus:
• 2026 beträgt der liquide Mittelbedarf 13,16 Millionen Euro, die aus dem Finanzhaushalt nicht gedeckt werden kann.
• 2027 verschärft wird nach dem Haushaltsentwurf das geplante Minus bei 22,6 Millionen Euro liegen.
Auch in den Folgejahren wird keine Entspannung erwartet: Zwar steigen die Steuereinnahmen bis 2029 um rund 3,9 Prozent gegenüber 2026, doch die Ausgaben wachsen schneller. So erhöht sich der Anteil der Transferaufwendungen an den Gesamtaufwendungen des ordentlichen Ergebnisses von 30 Prozent (2011) auf über 42 Prozent im Jahr 2029. Unter dem Strich stehen Defizite von 20,5 Millionen Euro (2028) und 13,3 Millionen Euro (2029). Diese können nur noch im Ergebnishaushalt über Rücklagen gedeckt werden. Doch diese sind 2027 aufgebraucht. Im Finanzhaushalt sind bis 2029 zusätzliche 62 Millionen Euro an Liquiditätskrediten erforderlich.
„Jeden Euro zweimal umdrehen“
„Die Lage ist ernst“, betont Landrat Krebs. Dennoch wolle der Kreis den eingeschlagenen Kurs fortsetzen, allerdings mit größter Haushaltsdisziplin. „Wir müssen künftig jeden Euro zweimal umdrehen“, so der Landrat. Denn der Gesamtschuldenstand des Hochtaunuskreises lag zum Jahresende 2024 bei insgesamt 630.502.093,13 Euro. Davon entfielen 605.016.143,13 Euro auf Darlehen zur Investitionsfinanzierung, im Wesentlichen für Schulbaumaßnahmen. Auch in den nächsten Jahren werden für die Umsetzung der Investitionsmaßnahmen wieder Investitionskredite aufgenommen. Ende 2025 wird sich daher der Schuldenstand voraussichtlich auf 651 Millionen Euro erhöhen, 2026 stehen laut Etatentwurf 645 Millionen und 2027 schließlich 640 Millionen Euro zu Buche.
Dennoch, so Landrat Ulrich Krebs, könne man nicht von einer Überschuldung sprechen. Denn diesen Schulden stehen mit den Schulbauten tatsächliche Werte im Sinne einer Wertschöpfung gegenüber. „Nicht umsonst wird der Hochtaunuskreis für sein umfassendes Schulbauprogramm überall beneidet, in das bis zur Beendigung rund 1,6 Milliarden Euro geflossen sein werden. „Die Gewerkschaft GEW hat in ihrem Bericht zur Situation der hessischen Schulen konstatiert, dass die hessischen Kommunen es nicht schaffen werden, den bestehenden Investitionsbedarf im Schulbau zu decken. Wir aber im Hochtaunuskreis werden das schaffen“, betont Landrat Krebs.
Investitionen in Straßen und Radwege
Auch in die Infrastruktur wird weiter investiert. Größtes Straßenbauprojekt ist die Sanierung der Ortsdurchfahrt Hunoldstal im Jahr 2026 (1,25 Millionen Euro). Es folgen die Ortsdurchfahrt Wehrheim (2027 und 2028, insgesamt 1,45 Millionen Euro) sowie die Fortschreibung des Investitionsprogramms Radwege mit 3,68 Millionen Euro im kommenden und 1,4 Millionen Euro im übernächsten Jahr. Nach Abzug der Fördergelder verbleibt ein Eigenanteil des Kreises von rund 2,7 Millionen Euro. Größtes Vorhaben ist der Radweg zwischen Steinbach und Oberhöchstadt. Wenn Baurecht und Förderzusage vorliegen, könnte Ende 2026 mit dem Bau begonnen werden. Ebenfalls vorgesehen ist die Herstellung eines Radwegs an der K726 zwischen Usingen und Pfaffenwiesbach, mit dem Anfang nächsten Jahres begonnen und der Ende 2026 fertiggestellt sein soll.
Wachsender Unterstützungsbedarf bei Kindern und Jugendlichen
Die Kostensteigerungen im Bereich der Sozialausgaben sind wie eingangs bereits gezeigt beträchtlich, dabei liegt der Fokus weiterhin stark auf Kindern und Jugendlichen. In Anerkennung des hohen und weiterhin wachsenden Unterstützungsbedarfs Jugendlicher werden wir als Kreis verstärkt in strukturelle Maßnahmen investieren, um die Angebote dorthin zu bringen, wo Kinder und Jugendliche einen Großteil ihrer Zeit verbringen. Der Fachbereich Kinder und Jugend hat hierzu ein Konzept für eine verstärkte Sozialarbeit an unseren Schulen entwickelt, über das die Schülerinnen und Schüler am Ort Schule individuelle Beratung und Unterstützung erfahren können.
Auch flankierende Angebote werden vom Kreis unterstützt, etwa das Anti-Mobbing-Netzwerk oder die queere Fachstelle Vielfältig Bunt. Für uns ist es wichtig, dass junge Menschen gerade in Phasen ihrer individuellen Orientierung oder bei altersspezifischen Konfliktlagen aufgefangen werden und Ansprechpartner haben. Wirksame und früh ansetzende Hilfestrukturen sind dabei auch ein Weg langfristige Folgekosten zu reduzieren. Vor allem aber handelt es sich um notwendige Maßnahmen, um gegenüber jungen Menschen ihr Recht auf Förderung ihrer Entwicklung und auf Erziehung zu selbstbestimmten und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten einzulösen.
Ambitioniert, aber tragfähig
„Der Haushalt ist ambitioniert“, räumt Krebs ein. Zwar sei ein Haushaltssicherungskonzept vorsorglich erforderlich, „wir hoffen aber, dass es nicht greifen muss“. Der Kreis müsse sich auf seine Pflichtaufgaben konzentrieren, Ermessensspielräume im Sozial- und Jugendbereich ausschöpfen, keine zusätzlichen freiwilligen Leistungen übernehmen, die Stellenbesetzungssperre erweitern und Einnahmen erhöhen.
Ein wichtiger Beitrag zur Haushaltskonsolidierung sind Verkaufserlöse: „Gerade bei der Verwertung von Grundstücken sind wir auf die Mithilfe der Städte und Gemeinden angewiesen, insbesondere bei der Schaffung von Baurecht“, appelliert Krebs.
Bereits jetzt arbeitet der Hochtaunuskreis eng mit dem Regierungspräsidium Darmstadt zusammen. Themen sind dabei pauschale Minderausgaben von 1,5 Prozent in den Jahren 2027 bis 2029, ein Antrag auf Ratenpause bei der Hessenkasse sowie Möglichkeiten, um auf eine weitere Erhöhung der Kreis- und Schulumlage zu verzichten.
Zudem liefen und laufen Abstimmungen zu den Verpflichtungserklärungen für die Großprojekte Sanierung der Gesamtschule am Gluckenstein, Erweiterung der Grundschule im Eschbachtal und Neubau der Grundschule Königstein.
Fazit
„Mit dem Doppelhaushalt 2026/2027 sichern wir uns trotz schwieriger Rahmenbedingungen die notwendigen Handlungsspielräume, um zentrale Projekte – insbesondere im Schulbau – fortzuführen“, fasst Landrat Krebs zusammen.
Allerdings sei „das Ende der Fahnenstange erreicht“: Rücklagen seien aufgebraucht, die Belastungsgrenze überschritten. „Es kann nicht sein, dass Bund und Land immer mehr Aufgaben an die Kommunen übertragen, ohne eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung sicherzustellen. Hier muss dem Konnexitätsprinzip künftig viel stärker Rechnung getragen werden“, betont Krebs.
Trotz hoher Verschuldung stehe der Hochtaunuskreis im bundesweiten Vergleich noch solide da. In anderen Landkreisen müssten bereits Kreisumlagen um drei Prozentpunkte und mehr erhöht werden. „Doch auch wir können diesen finanziellen Aderlass langfristig nicht verkraften“, so der Landrat abschließend.
Den eingebrachten Haushalt können Sie unter den nachfolgenden Links einsehen:
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