Hochtaunusschule und Oberurseler Werkstätten unterzeichnen Kooperationsvertrag
Mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Hochtaunusschule und den Oberurseler Werkstätten für Menschen mit Behinderung wird eine schon seit vielen Jahren bestehende Zusammenarbeit in schriftliche Form gegossen. „Das gute Miteinander der Berufsschule und den Oberurseler Werkstätten zeigt, wie soziale Inklusion gelebt werden kann“, sagt Erster Kreisbeigeordneter Thorsten Schorr, der zur Unterzeichnung der Vereinbarung nach Oberursel gekommen war. „Berührungsängste gibt es hier nicht.“
Der Unterricht für die jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Oberurseler Werkstätten wird in der Hochtaunusschule an zwei Vormittagen in der Woche angeboten. In sechs Schulstunden stehen Kulturtechniken und der Fachbereich Metall auf dem Lehrplan. Jede Klasse besteht aus acht Schülerinnen und Schülern. Es sind Absolventinnen und Absolventen inklusiver Schulen und Förderschulen im Hochtaunuskreis und Umgebung. Da es zwei Ausbildungsjahrgänge gibt, steht jedem Jahrgang wöchentlich ein Tag Unterricht zur Verfügung. Nach 24 Monaten endet die Maßnahme in der Berufsschule. Jede Schülerin und jeder Schüler erhält anschließend ein Zeugnis in Textform, das einen Überblick über die erbrachten Leistungen im Berufsschulunterricht gibt.
„Es ist für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwas Besonderes, eine Regelschule zu besuchen. Sie entdecken neue Fähigkeiten, lernen neue Techniken und stellen selbst Dinge her. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein und hilft ihnen, sich auch zukünftig in neuen Situationen besser zurechtzufinden“, sagt der Erste Betriebsleiter der Werkstätten, Andreas Knoche.
Auch Schulleiter Dr. Markus Büchele kann der Kooperation nur Positives abgewinnen. „Bei uns an der Hochtaunusschule begegnen sich ganz unterschiedliche Menschen. Unser Ziel ist es, dass sie sich alle so, wie sie eben sind, annehmen und gemeinsam hier sind. Das funktioniert bei uns gut, weil wir das schon immer gelebt haben.“
Die Klassen werden durch zwei Lehrkräfte, Detlef Ramb und Michael Vaupel, betreut. Diese gehen ganz individuell auf die Bedürfnisse ihrer Schützlinge ein. „Wir machen hier nicht nur Handwerkliches, wir üben beispielsweise auch, Bewerbungen zu schreiben“, berichtet Michael Vaupel. Einen Unterricht „von der Stange“ gibt es nicht. Er richtet sich nach dem Bedarf der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und muss für jede Klasse neu definiert werden.
Detlef Ramb betreut die Klassen schon seit 1991, damals noch an der Georg-Kerschensteiner-Schule in Bad Homburg. „Es ist schön zu sehen, wie sich die Schülerinnen und Schüler entwickeln. Am Anfang oftmals schüchtern, werden sie im Laufe der Monate immer selbstbewusster und kreativer und bringen eigene Ideen ein.“ Für sie sei der Unterricht immer auch ein Erlebnis. Die Bedenken, die es anfangs der 1990er Jahre gegeben habe, seien längst verflogen. Für ihn wie für alle Beteiligten ist die Zusammenarbeit eine klassische Win-win-Situation, die mit Hilfe der Kooperationsvereinbarung weiter gefestigt werden soll