Neue Klassencoaches sind eine Unterstützung für alle
Schule soll möglichst alle Kinder mitnehmen – unabhängig vom individuellen Leistungsstand, der jeweiligen Affinität zu den Lerninhalten sowie möglichen körperlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen. Damit Inklusion gelingen kann, braucht es jedoch Unterstützung, häufig im Rahmen sogenannter Teilhabeassistenzen, die einzelnen Kindern dabei helfen, den Schulalltag zu meistern.
Der Hochtaunuskreis hat jetzt an fünf Grundschulen mit insgesamt elf Klassenzügen im Rahmen eines auf vier Jahre angelegten Modellprojekts „Klassencoaches“ an den Start gebracht, die einen zusätzlichen Ansatz verfolgen.
Denn das bestehende System bietet zwar eine wirksame Unterstützung, zeigt in der Praxis jedoch auch Schwächen. „Da es sich beim Einsatz von Teilhabeassistenten und- Assistentinnen bislang immer um Einzelfallmaßnahmen handelt, bekommt jedes Kind einen eigenen Teilhabeassistenten. Das hört sich toll an und ist oft auch die beste Lösung,“ sagt Kreisbeigeordnete Antje van der Heide, „viele Kinder brauchen die Unterstützung aber gar nicht durchgehend, sondern nur in bestimmten Situationen, so dass auch Leerläufe bestehen.“ Und da es vorkommen kann, dass in einer Klasse mehrere Kinder mit anerkanntem Förderbedarf sitzen, finden sich immer häufiger neben der Lehrkraft und den Schulkindern auch noch mehrere Erwachsene als Assistenzen in den Klassenräumen wieder.
„Mit den Klassencoaches wollen wir hier eine Verbesserung schaffen“, sagt van der Heide und führt aus: „Wir verfolgen damit einen strukturellen Ansatz, mit dem wir Unterstützungskräfte in die Schulen bringen, die vor Ort Teilhabe und chancengleiche Lernbedingungen für alle Schülerinnen und Schüler sicherstellen.“ Die Klassencoaches helfen allen Schülerinnen und Schülern bei Bedarf und unterstützen auch die jeweilige Lehrkraft. Die Klassencoaches „wachsen mit“ und begleiten die Klassen auch in den kommenden Grundschuljahren. Die künftigen Abc-Schützen bekommen neue Kräfte.
Marion Schurr, stellvertretende Fachbereichsleiterin Kinder und Jugend beim Hochtaunuskreis, ergänzt, „Ziel ist es, nicht nur einzelne Kinder, sondern ganze Klassen frühzeitig in ihrer Entwicklung zu begleiten. Durch die feste Einbindung eines multiprofessionellen Teams, bestehend aus Lehrkraft, Klassencoach, Beratungs- und Förderzentrum sowie weiteren schulischen Unterstützungsangeboten, sollen stabile Lernumgebungen geschaffen werden, von denen alle Kinder, insbesondere diejenigen mit sozial emotionalem Förder- und Teilhabebedarf, profitieren.“
Das Projekt soll auch dazu beitragen, den Zuwachs an Begleitpersonen in den Klassenräumen zu bremsen, ohne den Bedarf an Einzelfallhilfen und individueller Förderung der Kinder zu reduzieren. „Schulen erhalten die Möglichkeit, tragfähige pädagogische Strukturen zu erhalten und zugleich den Assistenzbedarf für die Kinder sicherzustellen“, so Antje van der Heide. „Sollte ein individueller Bedarf an Assistenz im Alltag bestehen, der über die Klassencoaches nicht abgedeckt werden kann, werden wir diesen natürlich weiterhin sicherstellen.“
Das Modellprojekt wird in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendamt des Hochtaunuskreises, dem Staatlichen Schulamt, den beteiligten Schulen, dem Beratungs- und Förderzentrum sowie dem beauftragten Träger durchgeführt. Die Umsetzung und fachliche Begleitung des Projekts erfolgt durch die im Fachbereich Kinder und Jugend des Hochtaunuskreises etablierte Kooperationsstelle Inklusive Bildung, die bereits seit vielen Jahren erfolgreich präventive Unterstützungsangebote an Schulen durchführt.