Tag der Ausbildung als Wegweiser in die berufliche Zukunft
Selten ist der Hof der Ludwig-Erhard-Anlage so gut gefüllt wie beim Tag der Ausbildung: An 30 Ständen präsentierten jetzt wieder zahlreiche Handwerksbetriebe, Institutionen, kommunale Einrichtungen und Unternehmen unter anderem aus dem Sozialbereich Schülerinnen und Schülern aus dem Hochtaunuskreis die beruflichen Möglichkeiten, die sich in den verschiedenen Bereichen bieten. Dabei gab es an vielen Ständen nicht nur Infos und Giveaways – beides wurde gerne angenommen – sondern auch einen ersten Einblick in die Praxis.
„Diese Veranstaltung zeigt die Vielfalt der Ausbildungsberufe und erlaubt einen ersten, niederschwelligen Kontakt zu den Betrieben. Es ist eine perfekte Möglichkeit zu schauen, wie die eigenen Interessen mit einem Ausbildungsberuf vereinbart werden können“, lobte Landrat Ulrich Krebs, der bei einem Rundgang selbst verschiedene Gewerke ausprobierte. „Es ist spannend zu sehen, wie sich die Berufe, aber vor allem die Möglichkeiten, diese den interessierten Jugendlichen näher zu bringen, im Laufe der Zeit verändert haben.“
Ein besonderer Multiplikator war dabei das Team der Handwerkskammer Frankfurt Rhein-Main. Mit dem Angebot „Xperience Handwerk on tour“ ließen sich nicht nur der Friseurberuf ausprobieren oder Holz-Schlüsselanhänger samt Laser-Gravur gestalten. Per VR-Brille konnten 36 Berufe getestet werden. Wer wissen wollte, ob er sich später als Gerüstbauer verdingen möchte, konnte zumindest schonmal virtuell Höhenluft schnuppern.
Ob Herzen aus Schieferplatten mit Fachwerkzeug anzufertigen, wie beim Dachdeckerbetrieb Löw aus Bad Homburg oder die eigenen Kenntnisse bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung testen, wie es am Rettungswagen des DRK Hochtaunus möglich war: Drei Stunden lang konnten die Schülerinnen und Schüler alles ausprobieren und sich dabei allein von ihren Interessen leiten lassen.
Das Format kam gut an und wurde von ca. 750 Besucherinnen und Besuchern genutzt. Zogen die Klassen gemeinsam ein, machten sich Grüppchen schnell zu den favorisierten Angeboten auf. Wenn nur eine Schülerin oder ein Schüler dort hängen blieb, zog der Rest weiter und sammelte am nächsten Stand Erfahrungen; informierte sich bei der Saalburgschule Usingen über die dortigen Ausbildungsberufe oder bekam am Stand der DEHOGA Hessen einen Einblick in das Hotel- und Gaststättengewerbe.
Natürlich stellte sich auch der Hochtaunuskreis als Ausbildungsbetrieb vor. Der öffentliche Dienst ist eine sichere Bank, leidet aber, wie viele Branchen, unter Nachwuchsmangel. Aktuell werden hier 53 Nachwuchskräfte ausgebildet, für dieses Jahr sind insgesamt 20 Einstellungen von Auszubildenden geplant.
Gab es früher oft zu wenige Ausbildungsstellen, fehlt es mittlerweile eher an Bewerbern. Auch für die Betriebe sind solche Berufsmessen daher ein gutes Forum, um sich interessierten Jugendlichen bekannter zu machen. „Mittlerweile haben wir für den Tag der Ausbildung sogar eine Warteliste; es gibt mehr Interessenten als wir Standplätze haben“, freut sich Veronika Moser, die die Veranstaltung mit ihrem OloV-Koordinationsteam federführend organisiert hat und auf eine Besonderheit aufmerksam macht. „Dadurch, dass wir Shuttlebusse für die Schulen aus dem Usinger Land organisiert haben, können wir allen interessierten Schulen die Teilnahme ermöglichen.“
Ein weiterer Fokus lag in diesem Jahr auf der Gruppe der unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten, wie Sozialdezernentin Antje van der Heide erklärte. „Wir haben die Jugendhilfeeinrichtungen für unbegleitete minderjährige Geflüchtete des Kreises mit ihren Jugendlichen eingeladen, um ihnen die Bandbreite der Berufswelt zu zeigen. Wir möchten sie damit bei der Suche nach Ausbildungsstellen unterstützen und damit gleichzeitig dem Fachkräftemangel entgegenwirken.“ Diese Jugendlichen erhielten im direkten Austausch mit den Ausbildungsbetrieben zusätzliche Unterstützung durch Dolmetscherinnen und Dolmetscher des WIR-Vielfaltzentrums.
Zum Hintergrund
Die Organisation und Umsetzung des Tags der Ausbildung erfolgte wieder im Rahmen des Bündnisses für Ausbildung. Die OloV-Regionalkoordination des Kreises ist organisatorisch an der Fachstelle Jugendberufshilfe und dem Kommunalen Jobcenter angedockt und verfolgt das Ziel, den Übergang junger Menschen von der Schule in den Beruf durch gezielte und aufeinander abgestimmte Maßnahmen aller Akteure zu steuern und zu verbessern. „Jugendliche können im Rahmen solcher Formate erfahren, wie sie ihre Talente entfalten und ihre Zukunft aktiv gestalten können“, betont OloV-Koordination Moser.