Hochtaunuskreis erweitert Notfallversorgung: Hebammen rücken mit dem Rettungswagen aus
Wenn werdende Mütter in eine Notlage geraten, zählt jede Minute. Im Hochtaunuskreis ist die Hilfe seit dem 1. September in solchen Fällen noch enger als bisher verzahnt: Bei Notfällen mit (Hoch-)Schwangeren wird zusätzlich zum Rettungsdienst eine Hebamme alarmiert, die im Rettungswagen mitfährt und die medizinische Versorgung von Beginn an ergänzt. Alternativ können die Einsatzkräfte eine Hebamme auch direkt zur Einsatzstelle nachalarmieren. Das neue Angebot ist ein weiterer Baustein zur Anhebung des Versorgungsstandards im Kreis und bringt geburtshilfliches Spezialwissen genau dorthin, wo es in akuten Notfällen gebraucht wird.
Inspiration war der Main-Kinzig-Kreis, der ein solches Konzept bereits 2022 eingeführt hat, das mittlerweile deutschlandweit Nachahmer gefunden hat. Im Hochtaunuskreis hat das Projekt viele Mütter und Väter. Der Hebammenverband hatte Anfang 2026 die Initiative ergriffen. Zusammen mit den Kreißsaal-Hebammen der Hochtaunus-Kliniken und niedergelassenen Hebammen erarbeitete man gemeinsam mit der Kreisverwaltung das Konzept. Deutsches Rotes Kreuz und Malteser Hilfsdienst übernahmen die rettungsdienstliche Schulung. Im Sommer schufen die Integrierte Leitstelle und der Fachbereich Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz dann die konkreten Alarmierungswege.
„Mit dem Projekt erreichen wir eine wichtige Verzahnung von Rettungsdienst und Hebammen – im Interesse der Patientinnen und der ungeborenen Kinder", betont Professor Dr. Dominik Denschlag, Chefarzt der Frauenklinik der Hochtaunus-Kliniken. Landrat Ulrich Krebs: „Die Verwaltung des Hochtaunuskreises ist oft innovativ. Aber wir sind auch offen für Vorschläge aus anderen Regionen. So konnten wir innerhalb kürzester Zeit aus einem guten Impuls ein tragfähiges Konzept erarbeiten, das mittlerweile in die Praxis umgesetzt wurde."
Kreisbrandinspektor Martin Gonder, Fachbereichsleiter Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz, hebt hervor: „Die Rettungskette funktioniert am besten, wenn alle Beteiligten fachübergreifend im engen Austausch sind und Strukturen schaffen, die hilfreich und alltagstauglich sind. Das war hier der Fall und ich bin froh, dass wir es so schnell geschafft haben." Dr. Olaf Vogeler, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, ergänzt: „Hier wird im Bedarfsfall gezielt ein Spezialwissen eingebracht, das die universell auf das ganze Notfallspektrum geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rettungsdienstes in dieser Tiefe gar nicht haben können. In der Kombination ist das absolut wertvoll." Auch die Hebammen zeigen sich überzeugt: „Die ersten Einsätze haben gezeigt, wie wertvoll es ist, dass wir als Hebammen im Notfall direkt vor Ort sein können und die Maßnahmen früh begleiten und Impulse geben können. So funktioniert moderne Notfallversorgung", sagt Katja Lindner de Alvarez von der Kreißsaal-Leitung der Hochtaunus-Kliniken Bad Homburg.
Die Praxistauglichkeit ist bereits belegt: Seit dem Start gab es zwei Einsätze, die das Konzept bestätigten. Der Hochtaunuskreis sieht das Projekt als zusätzlichen Service und konsequente Ausweitung des bestehenden Angebots für die Bürgerinnen und Bürger.